Freitag, 30. Juli 2010

KAPITEL 01

Schwarz auf Weiß




„Perfektion an einem Mann kann man bewundern, lieben kann man sie nicht.“









BPOV

Kalt. Es war unglaublich kalt an diesem Morgen.
Das erste was ich tat, war die Heizung voll aufzudrehen. Da wir gerade mitten im Dezember steckten, wunderte mich diese Tatsache natürlich nicht.
Zu dumm, dass ich kein Auto hatte und so zur Uni fahren konnte. Aber zum Glück wohnten meine besten Freunde alle in diesem Haus. Zwar studierten sie nicht alle an der Columbia, aber Alice, Rose oder Emmett ließen mich immer in Manhattan raus, wenn sie morgens unterwegs waren. Jasper hatte kein Auto, deswegen fuhr er dann mit uns oder aber auch mit Edward. Diesen würde ich natürlich niemals um Hilfe fragen, wenn es um das herum kutschieren ging, denn dafür war ich wirklich zu stolz. Er war nie freundlich zu mir gewesen, warum sollte ich ihn dann um einen Gefallen bitten?!
Schon war ich wütend. Ich war gerade erst seit zwanzig Minuten wach und schon spukte er mir im Kopf herum. Eigentlich war ich ein Mensch, der es hasste zu streiten, auch wenn ich sehr direkt und offen war, ich konnte es einfach nicht leiden, mich mit jemandem ununterbrochen anzuzicken. Deswegen belastete mich das einerseits schon, aber ich würde sicherlich nicht auf ihn zu gehen. Ganz sicher nicht.

Den Kopf schüttelnd, öffnete ich meinen Kleiderschrank und durchwühlte ihn. Wieder einmal ein einziges Chaos. Ich wohnte erst seit drei Monaten hier und deswegen war mein Zimmer nur grob eingerichtet.
Ich hatte damit noch einiges vor. Die Wände musste gestrichen werden – welche Farbe wusste ich noch nicht. Die schweren, roten Samtvorhänge die ich mir vor Kurzem gekauft hatte, mussten noch befestigt werden und der Schreibtisch war auch noch nicht aufgebaut. Auf dem Boden lag mein schwarzes Notebook, das mit allen möglichen Stickern beklebt war. Ja, das war ich. Der kleine, rote Nachttisch, war voll von Modeschmuck. Oh, ich liebte Modeschmuck, war quasi süchtig danach. Wann immer meine Eltern mir Geld überwiesen, oder mein Gehalt von Walmart fällig war, gab ich mindestens dreißig Dollar nur für Schmuck aus. Das musste einfach sein.
Nach einigen Minuten hatte ich mich endlich für ein Outfit entschieden. Meine schwarze Hüftjeans und ein dunkelgrüner Rollkragenpullover für darüber.
Schnell schlüpfte ich aus der Boxershort und dem blauen Shirt und schlüpfte in meinen BH. Ich konnte einfach nicht schlafen, wenn ich einen über Nacht trug. Nachdem ich ihn geschlossen hatte, stieg ich in meine Jeans und zog mit den Pullover über den Kopf.

Nachdenklich tippte ich mir gegen das Kinn. Irgendwas fehlte ... irgendwas .... aaaah. Mein Blick fiel erneut auf meinen Schmuck und ich grinste, ehe ich mir die Kette schnappte, die ich am liebsten trug. Die Kette selbst bestand aus drei dunklen, langen Lederbändern und der Anhänger war eine große, silberne Blume.
Ich bürstete mein Haar durch und schlenderte dann aus meinem Zimmer. Zum Glück war das Bad frei. Man sollte meinen, dass es einfach sei, mit zwei Männern zusammenzuleben – vor allem wenn der Eine so ordentlich war, dass man nie aufräumen musste – aber das war es nicht. Denn Edward und Jasper blockierten das Bad manchmal länger als ich. Aber gut, heute morgen war es Gott sei Dank frei.
Es dauerte nicht lange, ehe ich mir die Zähne geputzt und mich ein wenig geschminkt hatte. Meine Haare raufte ich in einem unordentlichen Dutt zusammen.
Mein Blick fiel auf die Ablage über dem Waschbecken und ich runzelte verärgert die Stirn. Soweit ich mich erinnern konnte, hatte ich meine Armbänder und Ringe gestern darauf abgelegt.
Oh dieser ....

«Edward!», schrie ich und stampfte wütend aus dem Badezimmer, Richtung Küche wo ich ihn vermutete.
Es glänzte mir regelrecht entgegen. Es war so sauber, dass man vom Boden hätte essen können. Warum machte er das?! Edward hatte die Angewohnheit, jeden Morgen, bevor wir die Wohnung verließen, die Küche auf Hochglanz zu polieren. Keine Ahnung warum.
Schnaubend wandte ich meinen Blick von der Küche ab und ihm zu. Er saß am Küchentisch, trug eine dunkle Jeans und ein schneeweißes Button Down Hemd. Um seinen Hals hing eine schmale Krawatte und auf dem Tisch stand eine dampfende Tasse Kaffee – mit Untersetzer. In seiner Hand qualmte eine Zigarette und der Aschenbecher stand neben seiner Tasse. Außerdem entdeckte ich seine Brille auf dem Tisch. Sie sah ganz nach Prada oder so aus – wahrscheinlich hatte er sie bekommen, bevor er das Geld gestrichen bekam – und hatte einen breiten, schwarzen Rand.
Er verdrehte die Augen als er mich sah.

«Hör auf damit und sag mir lieber, wo du meinen Schmuck hin getan hast», fuhr ich ihn augenblicklich an.
«Du meinst den Scheiß im Badezimmer?», zog er eine Braue in die Höhe.
«Ja genau den Scheiß im Badezimmer», zischte ich. Er seufzte tief und lehnte sich zurück, führte die Zigarette an seine vollen Lippen, um einmal lange daran zu ziehen und den Rauch Richtung offenes Fenster zu pusten.
«Habs' dir ins Zimmer geschmissen. Wenn du mal richtig gucken würdest, bevor du ausrastest, wüsstest du das auch.» Ich schnaubte wütend.
«Du warst in meinem Zimmer?» Guten Morgen, Bella. Das war ja echt ein super Start in den Tag.
«Keine Sorge, in dem Chaos würde ich es nicht mal zehn Minuten aushalten. Hab nur dein Zeug auf den Nachttisch geschmissen. Das war's», entgegnete er ungerührt und seufzte dann tief. «Bella, würdest du mich jetzt bitte in Ruhe lassen? Du weißt, dass ich es hasse, morgens zu diskutieren. Vor allem mit dir.» Oh dieser ... Aah. Er machte mich schon wieder so wütend.
«Leck mich, Edward Cullen», rief ich aufgebracht und verließ den Raum, um geräuschvoll die Türe hinter mir zuzuknallen.

Vor mich hin fluchend, stampfte ich durch den Flur und um meinen Frust irgendwie rauszulassen, trat ich geräuschvoll gegen Edwards Zimmertüre, die sich direkt neben meiner befand.
Dann heulte ich auf. Verdammt, das hatte weh getan. Noch mehr fluchend und zusätzlich humpelnd, öffnete ich meine Tür, doch noch bevor ich in meinem Zimmer verschwinden konnte, hörte ich Jaspers Stimme hinter mir.
«Was zum Teufel ist hier los?», gähnte er.
«Sorry», grummelte ich über die Schulter. «Aber du musstest ja sowieso aufstehen, oder?» Leicht wandte ich mich um und musterte meinen verschlafenen Freund. Er hatte zerzaustes Haar und trug nur eine Boxershort, die Arme hatte er vor der Brust verschränkt.
«Nein», seufzte er. «Hab erst heute Mittag 'ne Vorlesung.»
«Oh», machte ich. «Tut mir Leid dann... Ich wollte dich nicht wecken.»
«Ich weiß nicht, ob ich schreien oder lachen soll, wegen euch beiden», murmelte er, ehe er mir den Rücken zudrehte und wieder in seinem Zimmer verschwand.

Seufzend betrat ich nun mein eigenes Zimmer und steuerte – immer noch humpelnd – meinen Nachttisch an.
Da lagen sie. Meine drei breiten, schwarzen Lederarmbänder. Warum hatte ich sie vorhin nicht gesehen? Schnell zog ich sie mir über, mit meinen Ringen tat ich es gleich.
Als ich soweit fertig war, durchwühlte ich den unteren Teil meines Schranks nach Schuhen. Ich hatte nicht sonderlich viele, da ich eben nicht gerade reich war, aber zwei paar Chucks und drei paar Stiefel flogen schon darin herum.
Leider waren meine Chucks nicht halb so sauber, wie die von Edward. Er hatte tausende – zog sie aber niemals zur Uni an. Dort sah ich ihn des Öfteren mit Anzugschuhen.
Meine Chucks – die zwei Paar, die ich besaß – waren einmal grau und einmal schwarz, beide vollkommen abgenutzt und dreckig, aber ich mochte den Look an diesen Schuhen.
Ich schlüpfte in das schwarze Paar und zog meine schwarze, eng anliegende Lederjacke aus meinem Schrank. Nachdem ich sie geschlossen hatte, griff ich nach meinem langen, dicken, grünen Schal und warf ihn mir lässig um den Hals, ehe ich mir meine Tasche und den Ordner schnappte und aus meinem Zimmer ging.
Normalerweise trank ich morgens, bevor ich ging, immer noch mindestens einen Kaffee, aber heute wollte ich einfach nur hier weg. Edward ging mir so auf die Nerven und wieder einmal fragte ich mich, warum ich eigentlich heir eingezogen war. Dann fiel es mir wieder ein – erstens, es war schwer, in New York eine Wohnung zu finden und die WG hier hatte ich für gutes Geld bekommen.
Zweitens – ich hätte ja auch später zu Alice ziehen können, aber das ging schlecht, da sie eine kleine Zweizimmerwohnung hatte und wenn die Wohnung größer wäre, dann wäre die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie ihren Freund fragte, ob er bei ihr einzog, als mich. So gut wir auch befreundet waren, Jasper ging ihr über alles, was ich natürlich verstand.
Meine dritte und letzte Option wäre es gewesen, zu Emmett zu ziehen, aber Rosalie wohnte bei ihm und obwohl die Wohnung groß genug für drei Personen war, wollte ich nicht das Dritte Rad am Wagen sein, wenn ich dort wohnte.
Zu meinen Eltern konnte ich auch nicht, da diese in New Jersey wohnten. Zwar war das nicht sooo weit von New York entfernt, aber eben zu weit, als dass ich jeden Morgen ohne Auto hierher gelangen könnte und ein Taxi tagtäglich konnte ich mir ebenso wenig leisten, auch die Busfahrt war zu teuer.
Also blieb ich wo ich war. Leider.

Ich verzichtete also auf meinen Kaffee – ich würde mir einfach unterwegs einen holen – und hastete nochmals zur Küche.
Edward war nicht mehr da und ich wunderte mich wieder einmal darüber, wie leise er aus der Wohnung schleichen konnte. Das war schon nicht mehr normal.
Schnell öffnete ich mit meiner freien Hand den Kühlschrank und nahm mir die Flasche Kirschsaft heraus, die mir gehörte. Ich liebte das und ich trank das Zeug massenweise. Kurz rollte ich die Augen, als mein Blick auf eine geschlossene Schale fiel, auf der ein Post – It mit Edwards Namen befestigt war. Irgendwann ... irgendwann würde ich die Dinger einfach abreißen. Der Typ hatte sie doch nicht mehr alle.
Während Jasper und ich uns beim Chinesen bestellten, oder Mittags in der Mensa essen gingen, kochte der Master sich nur selbst etwas. Das war wirklich abnormal.
Ich schüttelte den Kopf, schob die Flasche in meine Tasche und packte noch schnell meine Zigaretten ein – selbst gedrehte. Jasper rauchte Marlboro, genau wie Edward und ich meistens nur selbst gedrehte, was aber beide anekelte. Whatever.
Gerade wollte ich zur Haustüre gehen, als diese zu klingeln begann. «Bin unterwegs», rief ich und wusste, dass es nur Alice, Rose oder Emmett sein konnten.

Es waren Emmett und Rose. Sie grinsten mich beide an, während er mir die Mappe aus der Hand nahm und sie mir einen Kuss auf die Wange drückte.
«Morgen!», begrüßte ich sie und zog die Türe hinter mir zu.
«Morgen Bells», zwinkerte Emmett. Er machte eine Ausbildung im Fitnessstudio und Rosalie studierte mit Alice am Marymount College, ebenfalls in Manhattan, aber auf der Upper East Side. Während das College von Jazz, Edward und mir sich auf der Upper West Side befand.
Ich seufzte tief und lief schon Richtung Alice' Apartment uns gegenüber, um zu klingeln, als Rose mich abhielt. «Sie ist erkältet, also vergiss es.»
«Erkältet huh?», runzelte ich die Stirn, während wir die Treppen hinab liefen. «Du meinst, sie hat zweimal gehustet und macht jetzt einen auf Todkrank?», grinste ich.
Emmett lachte laut auf. «Du kennst unsere Kleine doch.»

Alice war – um ehrlich zu sein – ziemlich weinerlich. Bei jedem Weh-Wehchen, heulte sie rum, wie ein Kind. Es amüsierte mich.
Es war schon merkwürdig, was für ein chaotischer Haufen wir waren. Emmett war groß, hatte unglaublich viele Muskeln und dunkle, unordentliche Locken. Wenn er grinste, bildeten sich unglaublich süße Grübchen auf seinen Wangen und er hatte treue, große, dunkle Augen. Er liebte es zu lachen und zu essen. Das war sein Element, aber nichts ging über Rosalie. Sie war sein Heiligtum und er liebte sie abgöttisch, das wusste ich. Ich sah es, wann immer er ihr in die Augen schaute, oder sie küsste. Es war, als könnten die beiden sich ohne Worte miteinander verständigen.
Meine Freundin Rosalie, war die klassische Schönheit. Sie hatte hellblondes, gewelltes Haar, das ihr bis zur Taille glitt und ihre Haut war braun gebrannt – sogar im Winter und das ohne Solarium. Ihre Augen waren groß, unschuldig und dunkelblau. Rose wurde innerhalb kürzester Zeit, zu einer meiner besten Freundinnen. Man konnte mit ihr lachen, bis die Tränen kamen, aber genauso gut konnte man mit ihr reden, sich betrinken oder einfach nur nebeneinander liegen und schweigen. Relaxen.
Alice Brandon, war klein, schlank und hatte lockiges, schwarzes Haar, das ihr bis zu den Schultern reichte. Ihre Augen waren genauso dunkel wie ihr Haar und auch sie hatte einen leicht gebräunten Teint. Nicht so sehr wie Rose oder ich, aber trotzdem leicht gebräunt. Bei mir hielt die Bräune auch nur im Sommer. Im Winter verblasste das und ich hasste es.
Al war eine sehr gute Zuhörerin und manchmal wirkte sie auf mich irgendwie ... leicht verletzbar und fragil. Nicht nur ihr Körper war unglaublich zierlich, ich war mir beinahe sicher, dass man sie schnell zum Weinen bringen konnte. Noch war es nicht passiert. Wie gesagt, ich lebte erst seit drei Monaten hier, aber so schätzte ich sie ein. Nicht, dass ich sie irgendwie kränken wollte, niemals. Sie war ein herzensguter Mensch und ich war unglaublich froh, solche Freunde innerhalb kürzester Zeit gefunden zu haben.
Allerdings war Rose meine einzige Verbündete, wenn es um Edward ging. Alice, Jasper und Emmett kamen gut mit ihm klar, Rose und ich ... eher nicht.

Wir kamen unten an und Emmett hielt uns Frauen die Türe auf. Rose drehte sich kurz um und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen, woraufhin er sie zärtlich anlächelte.
Ich seufzte tief und lief zu Emmetts Jeep. Die beiden waren so glücklich ....
Nicht, dass ich sie darum beneidete. Nein, ich gönnte ihnen das Glück wirklich. Es war nur so, dass es mir fehlte, einen Freund, jemanden zu haben, der mich so ansah, wie Emmett es bei Rose tat.
Kurz bevor ich von Jersey nach New York zog, hatte mein Ex mit mir Schluss gemacht. Irgendwie ... ich weiß nicht, aber irgendwie zog es mich immer wieder zu .... Arschlöchern, wenn ich ehrlich bin.
Mein Ex – Tayler – und ich, waren ein Jahr zusammen und es lief wirklich gut .... bis er dann aus heiterem Himmel mit mir Schluss machte. Ich verstand bis heute nicht ganz, warum ....
Aber gut. Das war irrelevant. Ich hatte mit ihm abgeschlossen. Ich war in New York, um meine Ausbildung zu machen, mein Leben zu leben und mich zu verlieben. Viele denken Paris wäre die Stadt der Liebe, aber ich war schon immer fest davon überzeugt, dass es New York war. Das einzig wahre New York.

«Halloooo», wedelte Rose mit ihrer Hand vor meinem Gesicht herum. Ich schreckte auf und schüttelte leicht benommen den Kopf.
«Uhm sorry-», sagte ich schnell. «-war in Gedanken.»
«Yeah, ich hab's gemerkt», gluckste sie und deutete mir, einzusteigen.
Schnell setzte ich mich auf den Rücksitz des Jeeps und die Beiden nahmen vorne Platz. Emmett warf meinen Ordner nach hinten, auf den freien Platz neben mich, ehe er dann den Motor startete. Rose klappte das Visier herunter und beäugte sich im Spiegel. Ich verdrehte die Augen.
«Du siehst gut genug aus, Rose.» Dann wandte ich mich an den kichernden Emmett. «Hey Em, kannst du kurz vor Starbucks halten? Ich hatte keinen Kaffee.»
«Keinen Kaffee?» Er sah mich kurz durch den Rückspiegel an und seine Stirn legte sich in Falten.
«Irgendwie war mein Morgen beschissen», grummelte ich und vergrub mich tiefer im Sitz. Mein Blick fiel nach draußen, auf die nassen Straßen. Es regnete nicht mehr so heftig, aber Feuchtigkeit lag genügend in der Luft.
Seufzend verschränkte ich die Arme vor der Brust. Ich hasste den Winter ... es war kalt und klebrig, wenn Schnee fiel und ekelhaft.
«Edward», sagte Rose. Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Sie drehte sich leicht auf dem Sitz und sah mich mit zusammengezogenen Brauen an, während sie ihren roten Wollschal zurück warf.
«Was hat der Pisser jetzt schon wieder gemacht?» Ich lachte laut auf und strich mir eine lose Strähne hinter das Ohr. Das war so typisch Rose.
«Mich genervt. Er braucht gar nicht viel zu machen, es reicht, dass er existiert», entgegnete ich. Emmett lachte wieder.

«Seid doch nicht so hart zu ihm, Ladies. Ihr wisst gar nicht, wie er wirklich tickt. Eigentlich ist er absolut cool drauf und er hat einen unglaublichen Humor.»
«Humor?», fragten Rose und ich zur selben Zeit. «Der?», setzte ich noch nach.
«Yeah. Ich sag ja, ihr kennt ihn nicht», zuckte er die Achseln und fuhr die Brooklyn Bridge herunter.
«Wir verzichten auch gerne darauf», schnaubte ich und Rose nickte zustimmend.
«Weiber», seufzte Emmett. Rose verdrehte lediglich die Augen, zwinkerte mir zu und drehte sich dann wieder nach vorne.
«Hey Bells. Ich wollte dich übrigens fragen, ob du am Wochenende, beziehungsweise übermorgen schon was vor hast», meinte sie dann.
«Übermorgen ist Freitag ... Ehm nein. Ich hab nichts vor, warum?»
«Emmett und ich wollten übermorgen ausgehen und ich wollte fragen, ob du mitkommst?» Wieder drehte sie ihren Kopf über die Schulter und grinste. Skeptisch runzelte ich die Stirn.
«Ich will nicht.... na ja... du und Emmett...» Ich fühlte mich nicht wohl bei dem Gedanken, zwischen den beiden zu stehen.
«Wie wär's, wenn du dir 'ne Begleitung suchst? Nichts, dass es Emmett und mir irgendwas ausmachen würde, dich mitzunehmen, aber wenn du dich unwohl fühlst..»
Ich seufzte achselzuckend. «Mal sehen, ob sich da was machen lässt. Ich sag euch dann Bescheid»
«Super!», klatschte Rose in die Hände.

«Und, Bella?», fragte Emmett. «Wenn du das nächste Mal genervt bist, komm zu uns hoch, da bekommst du deinen Kaffee.» Ich lachte, als er vor dem Starbucks hielt.






*




Am Nachmittag, holten Rose und Em mich auch wieder von der Uni ab und ich schloss müde die Haustüre auf.
Da ich letzte Nacht nicht schlafen konnte – was nicht zuletzt Edwards nächtlichen Aktivitäten zu verdanken war – war ich nun wirklich müde. Diesmal hatte er keine Tussi im Zimmer gehabt, diesmal hatte er irgendwas im Wohnzimmer veranstaltet, was mich die ganze Nacht nicht schlafen lassen hatte. So leise er auch schleichen konnte, so laut war er auch manchmal. Unglaublich. So ein verfluchter Egoist.
Gähnend betrat ich das Apartment und kickte die Türe hinter mir, mit dem Fuß wieder zu. Edward hatte ich den ganzen Tag nicht gesehen, was mich annehmen ließ, dass er entweder schon wieder zu Hause war, oder noch Vorlesungen hatte. Jasper hingegen hatte seine erste Vorlesung erst vor einer Stunde gehabt. Das bedeutete wiederum, dass er länger in der Uni blieb.
Wieder ein Gähnen meinerseits, als ich meine Tasche und die Mappe im Gehen in den Flur schmiss und träge zu meinem Zimmer schlenderte. Dort zog ich meine Jacke und Chucks aus und schmiss mich aufs ungemachte Bett.
Wie es aussah, war Edward tatsächlich nicht zu Hause und ich genoss die Ruhe um mich herum. Es war wie purer Luxus. Der Schlafmangel – wegen ihm – machte mich echt fertig.

Eine ganze Weile lag ich auf dem Rücken und starrte mein Zimmer an.
Irgendwie ... fühlte ich mich hier unwohl. Missmutig runzelte ich die Stirn und versuchte rauszufinden, woran das lag.
Es waren eindeutig die Wände. In meinem Zimmer in Jersey, hatte ich unzählige Poster und selbst gezeichnete Bilder hängen. Ganz zu schweigen, von all den Fotos. Außerdem waren meine Wände viel bunter ....
Ja. ich musste streichen. Und das so schnell es ging.
Wie vom Blitz getroffen, sprang ich vom Bett und rannte in den Flur, um in meiner Tasche nach meinem Geldbeutel zu kramen. Ich brauchte Farbe. Dringend.
Zufrieden seufzte ich auf, als ich feststellte, dass ich für diesen Monat tatsächlich noch genug Geld hatte. Auf meinem Konto befanden sich momentan 300 Dollar, ein Teil davon von meinen Eltern, der andere Teil vom Arbeiten und in meinem Portmonee hatte ich noch 30 Dollar rum fliegen. Die Miete war bezahlt ....
«Ja!», rief enthusiastisch und sprang auf, als mir plötzlich die Tür gegen den Kopf geschlagen wurde.

«Aaah verdammte Scheiße!», japste ich und hielt mir die Hand gegen die Stirn, während ich zwei Schritte zurück taumelte, bis ich die Wand im Rücken spürte. Die Augen hielt ich geschlossen.
«Bella?», fragte mich eine ruhige Stimme. Oh nein. Er war zu Hause. Ich ließ meine Frustration und den pochenden Schmerz in meinem Kopf, mit einem tiefen Seufzer raus.
«Kannst du nicht gucken, bevor du Türen aufmachst?», fuhr ich Edward an und riss die Augen auf um ihn wütend anzublinzeln. Er schüttelte den Kopf und schloss die Türe hinter sich, ehe er sich durch das Haar fuhr.
«Ich kann schlecht durch verschlossene Türen sehen, Bella. Außerdem, was springst du auch hier so rum?», stellte er trocken die Gegenfrage und legte seinen Schlüssel auf den kleinen Beistelltisch im Flur. Ich musterte ihn genauer – kleine Regentropfen schimmerten in seinem Chaos-Haar. Das war wohl das Einzige, was er nie in seinem Leben gebändigt bekommen würde. Das Strubbelzeug auf dem Kopf.
Auf der Nase trug er noch immer die sexy Brille und gerade zog er seine Jacke aus und hing sie an einen der Harken im Flur.
Ich beobachtete mit stillem Entsetzen und mir auf die Lippe beißend, wie seine Augen langsam – sehrrrr langsam – über den Boden, von meiner offenen Tasche, über die aufgeschlagene Mappe, zu meinen Beinen glitten. Dann wie in Zeitlupe hinauf, bis sein scharfes Grün auf mein Braun drauf. Wut funkelte in ihnen. Oh oh ....

«Was zum Teufel hast du hier gemacht?», knurrte er. Ich reckte mein Kinn und stolzierte an ihm vorbei, um mein Zeug zusammen zu packen, meine Tasche zu schultern und die Mappe in die freie Hand zu nehmen.
«Das geht dich gar nichts an», entgegnete ich, ehe ich zurück zu meinem Zimmer stolperte. Oh Gott. Er machte mich wahnsinnig – auf zwei verschiedene Arten. Einerseits hätte ich ihm am liebsten in den Arsch getreten, andererseits, hätte ich mich liebend gern von ihm an die Wand drücken lassen und ..... Stürmisch schüttelte ich den Kopf. Das durfte doch nicht wahr sein. Aber Himmel, er war so sexy ... und ich hatte – wie lang? - gute sechs Monate keinen Sex mehr gehabt. Trotzdem kein Grund, so über deinen Feind zu denken, flüsterte eine kleine Stimme in meinem Kopf, der ich in diesem Moment nur recht geben konnte.
Okay. Back to Topic. Was war hier los?!

Ich schmiss meine Tasche zu Boden, die vollgekritzelte Mappe hinterher und seufzte. Meine Finger wanderten erneut an meine Stirn, die ich leicht massierte. Man, das hatte gesessen. Ich wette, im Stillen freute er sich über die ... Kopfnuss. Okay.... Konzentration, Bella! Genau. Ich wollte mein Zimmer streichen und das so schnell wie möglich. Das Geldproblem hatte ich gelöst, jetzt fehlte nur noch eine Sache – wie kam ich zum Baumarkt? Fast alles Wichtige, befand sich drüben in Manhattan und das war ein gutes Stück von hier aus. Draußen regnete es und ich hatte keine Lust zu Fuß zu gehen. Alice war erkältet, Jasper noch in der Uni – gut er hatte sowieso kein Auto – und Rose und Emmett wollte ich nicht schon wieder mit meinem Transport – Problem belästigen. Taxis waren ziemlich teuer hier in New York ....
Was sollte ich tun? Edward fragen? Sollte ich? Allein bei dem Gedanken, schluckte ich hart. Nein, das konnte ich nicht tun. Das würde nur Schwäche zeigen und es würde aussehen, als wäre ich in irgendeiner Art und Weise abhängig von ihm. Er würde sich mehr darauf einbilden als nötig und es mir tagtäglich vorhalten – wie toll er doch sei, dass er mich bei strömendem Regen nach Manhattan gefahren hätte. Was für ein Ritter in Not er doch wäre ...
Noch während ich überlegte, wie ich das Problem lösen konnte, schlüpfte ich zurück in meine Schuhe, Jacke und den Schal.
Okay ... ich könnte ja per Anhalter rüber fahren? Nein. Das war eine dumme Idee. So naiv war ich nun auch wieder nicht. Mhmh ... zu Fuß... nein. Das konnte ich mir nicht antun.
Vielleicht musste ich doch Edward fragen? Ha, ich würde ihn nicht fragen. Ich würde ihm einen Vorschlag machen. Genau. Das war es. Ein Vorschlag.

Mir selbst Mut zusprechend, atmete ich einmal tief durch, ehe ich an seiner Zimmertüre klopfte.
«Was los, Bella?», fragte er genervt durch die Tür.
«Uhm ... hast du mal 'nen Moment?», murmelte ich so freundlich ich konnte. Aah, wie mich das ankotzte. Am liebsten hätte ich seine Tür eingetreten und ihm den Kopf abgerissen.
Leise klickte das Schloss und die Türe öffnete sich einen kleinen Spalt, gerade soweit, dass er den Kopf hindurch strecken konnte. Als er mir so nahe war, konnte ich seinen betörenden Duft riechen. Yummy. Das musste sein Geheimnis sein - das warum alle Frauen auf eine Chance bei ihm hofften. Oder es war sein Gesicht. Oder die durchdringenden Augen. Oder das weich aussehende Haar, bei dem Finger schon beim anschauen kribbelten. Oder es waren die vollen, geschwungenen Lippen ... wie er wohl aussah, wenn er lächelte? Ich hatte ihn noch nie lächeln sehen. Aus dem einfachen Grund, dass er nur mit Emmett, Jasper und Alice unterwegs war, wenn Rose und ich nicht dabei waren und vor allem, weil er auch andere Freunde hatte. Freunde, mit denen ich nichts zu tun hatte.
«Bella?», riss seine raue Stimme mich aus den Gedanken. Ich schüttelte hastig den Kopf und atmete nochmals tief durch, ehe ich ihm fest in die Augen sah.

«Edward, ich werde dich nicht darum bitten. Ich mache dir jetzt einen Vorschlag und bitte mach kein großes Ding daraus. Sag einfach nur ja oder nein. Wenn du mich jetzt zum Baumarkt und dann wieder nach Hause fährst, werde ich zukünftig auf meine Ordnung achten und versprechen, dass ich mich bemühe, nie wieder mein Zeug im Bad liegen zu lassen», ratterte ich herunter. Mein Atem kam schwer, als ich ihn fragend musterte.
Edward zog eine Braue in die Höhe und leckte sich leicht über die Lippen. Wieder schluckte ich hart – diesmal nicht aus Nervosität.
«Du bemühst dich darum?», fragte er dann. Ich seufzte tief.
«Ich werde es tun, okay?» Edward seufzte ebenfalls, warf einen Blick über die Schulter in sein Zimmer – was ich von hier aus leider nicht sehen konnte, so sehr meine Neugier auch brannte – und drehte sich dann wieder zu mir.
«Warte an der Tür.» Und schon knallte er mir das dunkle Holz wieder vor der Nase zu.

Okay. Er hatte zugesagt. Das war doch was, oder? Und ich würde mich im Gegenzug einfach nur bemühen, nicht mehr soviel Chaos anzurichten. Zumindest nicht außerhalb meines Zimmer.
Ich grinste leicht und lief Richtung Haustür. Schnell knüddelte ich mein Haar neu zusammen, da der Dutt schon in meinem Nacken hing und wippte ungeduldig mit dem Fuß auf und ab, knabberte an meinem halb-lackierten-halb-abgepiddelten Nagel herum, als dann seine Tür aufging.
Er schloss sie ab, schob den Schlüssel in seine Hosentasche, ehe er seinen Autoschlüssel vom Beistelltisch nahm und in sein Trenchcoat schlüpfte.
«Geh», drängte er mich und deutete mir mit einem Kopfnicken, vorzugehen.

Ich murmelte ein leises «Sag mir nicht, was ich zu tun hab» und drängte mich an ihm vorbei. Edward seufzte nur wieder genervt, folgte mir nach unten und sprach kein Wort, was vielleicht auch besser war. Wir beide würden es nicht schaffen, zehn Minuten miteinander zu sprechen, ohne uns an die Gurgel zu springen. Und jetzt gerade – so ungern ich es zugab – brauchte ich ihn und sein verflucht heißes Auto.
Edward fuhr einen schneeweißen Audi A4. Ich hatte schon immer mal wissen wollen, wie die weichen Ledersitze sich anfühlte. Natürlich hatte ich mich darüber gewundert, wie er sich dieses Auto leisten konnte, da er ja nichts mehr – außer Studiengebühren – von zu Hause gesponsert bekam, aber Jasper meinte, dass sein Vater ihn Edward zum 17. Geburtstag geschenkt hätte. Klar, Geldscheißer.
Wir liefen durch die Tiefgarage und er drückte auf irgendeinen Knopf an seinem Schlüsselbund, woraufhin es leise klickte und die Lichter des Audis auf seinem Parkplatz aufleuchteten.
Er öffnete die Fahrertüre und ließ sich darin nieder, während ich mich auf den Beifahrersitz setzte und die Tür vorsichtig zuschlug. Himmel, war das hier drin sauber. Die Sitze waren von einem hellen, sauberen Beige und es roch nach Zitrone ... offenbar rauchte er hier drin nicht. Die silberne Anlage glänzte mir nur so entgegen.
Edward startete den Motor. «Schnall' dich an.»

«Navigationsgerät deaktiviert!»
Ich zuckte zusammen und sah mich um. Fuck off. WAS WAR DAS? Sein verdammtes Auto sprach mit ihm? Himmel, er hatte so einen neu modischen Board-Computer-Scheiß, oder was? Kopfschüttelnd schnallte ich mich an und wir fuhren gerade aus der Tiefgarage, als die Musik anging. 'All I want is everything, is that to much to ask....' dröhnte es mir entgegen und ich riss die Augen auf.
«Irgendein Problem, Bella?», keifte Edward zwischen zusammen gebissenen Zähnen los. Ich schüttelte leicht den Kopf, deutete auf das Radio und dann auf ihn.
«Du hörst Donots?», fragte ich nach, um auch ja sicher zu gehen, dass meine Ohren mir keinen Streich spielten.
«Irgendwas dagegen?», presste er mühsam beherrscht hervor und setzte den Blinker um die Spur zu wechseln. Wir waren vielleicht hundert Meter von der WG entfernt, als der Tacho schon 80 Kmh anzeigte. Musste er so rasen? Ich wollte noch länger leben und falls es vorbei war und das hier mein Ende sein sollte, dann sollte es eigentlich nicht an Edwards Seite geschehen. Wieder schüttelte ich den Kopf.
«Verfluchte Scheiße Edward, kannst du nicht langsamer fahren????», brüllte ich ihn an.

«Was? Mein Auto, mein Fahrstil.» Er bremste abrupt «Wenn dir was nicht passt - Bitte. Steig aus.» Edward hielt an.
Ich atmete mehrmals ein und aus und entspannte meine Finger, die sich ohne dass ich es bemerkt hatte, an den Türgriff geklammert hatten. Beruhig dich Bella, du brauchst ihn im Moment. Langsam drehte ich den Kopf.
«Sorry, ich bin eben nur UBahn gewöhnt», murmelte ich leise und Edward setzte den Blinker erneut und reihte sich wieder in den Verkehr ein.
«Donots also?», versuchte ich eine Art von normaler Konversation zu betreiben.
«Yeah. Fantastische Band», antwortete er monoton.
«Ich dachte nicht, dass das deinem Musikgeschmack entspricht...»
«So? Was sollte dann jemand wie ich deiner Meinung nach hören?», fragte er und verengte die Augen. Fast wollte ich jetzt nachfragen, ob er mit 'jemand wie ich' einen Ordnungs-Freak wie ihn meinte, aber ich biss mir gerade noch so auf die Zunge. «Na ja.. Klassik.. Claire de Lune und so'n Zeug eben!»

«Nope», antwortete er dann. «Bin eher der Rock- und Metal- Typ.» Er drehte die Anlage lauter und signalisierte mir somit wohl, dass er nicht weiter mit mir sprechen wollte.
Seufzend wandte ich den Blick ab und sah auf die an uns vorbei rasenden Gebäude. Mir wurde beinahe schlecht. Ich meine, ich war wirklich kein Weichei oder so was, aber so schnell wie er fuhr und wie er sich an den anderen Autos vorbei drängelte ... das war wirklich nicht mehr normal. Der Typ überraschte mich jedes Mal aufs Neue. Er hörte Rock und Heavy Metal? Das hätte ich ebenfalls niemals von ihm gedacht. Ich meine, ich persönlich liebte Rock und Metal sowieso, aber er? Nun ja. Mir sollte es egal sein.
Es vergingen fünf weitere Minuten und ein weiterer Song von Donots, als wir vor dem Baumarkt ankamen. Edward parkte nähe Eingang und stellte den Motor ab. Jedoch machte er keine Anstalten sich zu bewegen. Er starrte die Windschutzscheibe an. Während ich mich abschnallte.
«Uhm...», begann ich unsicher. Er hob die Hand, zum Zeichen, dass ich ruhig sein sollte. Verärgert runzelte ich die Stirn. Es ging mir so auf die Nerven, wenn er das tat.

«Wie lange brauchst du?», fragte er mich.
«Weiß nicht?» Woher sollte ich das bitte wissen?
«Lange?», wollte wissen.
«Weiß ich nicht.»
«Weißt du denn irgendwas, Bella?», fuhr er mich an und kniff sich mit zwei Fingern in den Nasenrücken, die Augen geschlossen.
«Reg dich mal ab», verdrehte ich die Augen. «Warte halt einfach hier.» Dann legte ich meine Hand an die Türklinke, als er mich jedoch zurückhielt.

«Ich komme mit.»
«Wieso?»
«Damit du nicht trödelst. Ich kann dich mittlerweile gut genug einschätzen um zu wissen, dass du länger als dreißig Minuten brauchen wirst.»
«Ich kann durchaus alleine Farbe kaufen», zischte ich.
«Ich komme mit.» Und damit stieg er aus dem Wagen.

«Können wir noch eine rauchen?», fragte ich vorsichtig nach. Edward rollte mit den Augen. Ehrlich Leute, wer würde nach so einer fahr KEINE rauchen wollen?
«Heißt das nein?», hakte ich nach.
«Ja», antwortete er.
«Heißt das ja?», stichelte ich und zündete mir einfach eine Kippe an.
«Muss. Das. Sein?», knurrte er und kreuzte die Arme vor der Brust.
«Ja Edward, es MUSS sein. Rauch auch eine und zieh dir den Stock aus dem Arsch, komm runter. Alles cool!», platzte es aus mir heraus und das …. das war wohl ein Fehler.
«Bella, komm mit», schnauzte er mich scharf an und zog mich an meinem Ellenbogen in das Geschäft. Ich schaffte es gerade noch, meine Kippe durch die Schiebetüre zu schnippen und sobald sie sich hinter uns schlossen, ließ er mich los. «Also, such dein Zeug zusammen und beeil' dich, verdammt.»

Woahhh... da war aber jemand gut gelaunt.
«Du bist immer so unglaublich charmant. Fast hätte ich vergessen, was du für ein Schnuckel bist», grinste ich ihn an und kniff ihm in die Wange. Augenblicklich schossen seine Augen Feuerpfeile auf mich ab und er wurde blass.
«Lass das», fuhr er mich an und raufte sich mit einer Hand seine Haare.
«Woah. Okay. Bleib locker. Das war ein Spaß. Du weißt schon, manchmal lacht man, wenn man sich kennt. Aber hey, vergiss es einfach!»
Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, lief ich Richtung Farbe und Pinsel und ignorierte ihn, murmelte leise irgendwelche Flüche und Schimpfwörter vor mich hin, die alle auf ihn zutrafen.
Vollidiot. Edward holte mich schnell ein und lief mit einem Wagen – woher hatte er den plötzlich ?– neben mir her.

«Schon irgendeine Vorstellung, Chaos Queen?», fragte er müde und fuhr sich über das Gesicht. Ich war ihm einen Seitenblick zu, von seinen langen Fingern, die den Wagen führten, über seine Arme, hinauf zu seinem Gesicht.
Kein Bartstoppel war zu sehen, nichts. Seine Haut war glatt, braun und ... so perfekt, dass es einem Angst machen konnte. Beinahe symmetrisch, aber markant. Sehr scharf.
«Chaos Queen?», zog ich eine Braue in die Höhe. «Nein Mister Perfektionist, ist habe noch keine Vorstellung.» Leicht den Kopf schüttelnd, sah ich mir die verschiedenen Farben an. Mhmh .... meine Augen hafteten auf einem hellen Gelb und ich tippte mir nachdenklich gegen das Kinn.
«Vergiss es», schnaubte er. «Gelb ... sieht aus wie Urin.» Schnell presste ich die Lippen zusammen, um nicht laut lachen zu müssen. Der Typ hatte sie wirklich nicht mehr alle.
«Immerhin muss ICH darin leben, nicht du», entgegnete ich, lief jedoch weiter. Urin. Amüsiert schüttelte ich den Kopf. Was für'n Freak.

«Grün..», murmelte ich nachdenklich.
«Klar», lachte er spöttisch auf. «Geh campen, wenn du auf Grün stehst.»
«Rot.»
«Bordell.»
«Orange.»
«Müllabfuhr.»

«Gold.»
«Kitsch.»
«Braun.»
«Dreck.»
«Schwarz.»
«Deprimierend.»

«Halt die Klappe!», fuhr ich herum und funkelte ihn wütend an. Edward zog unbeirrt eine Braue in die Höhe. «Es ist MEIN Zimmer. Halt die Klappe!» Dann griff ich wütend nach der großen, schwarzen Farbe und knallte sie geräuschvoll auf den Wagen. Er zuckte die Achseln.
«Ich bin sowieso schon immer davon ausgegangen, dass du unzufrieden mit deinem Leben bist.» Mit einem Kopfnicken deutete er auf mein Handgelenk und ich wusste worauf er anspielte. Dort, nähe meiner Pulsadern, hatte ich ein Tattoo. Zwei knallrote Kirschen. Ich stand einfach auf Kirschen. «Selbstmordversuch ist wohl gescheitert, mh?», fragte er gelangweilt.
«Das ist ein Tattoo du Vollpfosten. ICH bin durchaus zufrieden mit meinem Leben.» Dann knallte ich zwei große Pinsel zu der Farbe.

«Tattoo, huh? Was kommt als nächstes - Piercings und Tierrituale?», überlegte er gespielt und tippte sich mit dem Finger gegen die volle Unterlippe. «Ahh, halt nein, warte. Du hast sicherlich einen Altar in deinem Zimmer, wo du komische Sachen mit deiner komischen Art anbetest.»
Mit entwich ein Schnauben und ich packte den Wagen und ging Richtung Abdeckplanen. Ich wollte nicht alles ausräumen und aus meinem Zimmer schleppen, also würde ich es nur verrücken und abdecken.
Tierrituale. Ich war doch kein Satanist, meine Güte. Was dachte er eigentlich von mir?!

Als wir ohne größere Zwischenfälle bei der Kasse ankamen, sah Edward immer wieder auf seine Armbanduhr.
«Beruhig' dich, man. Du machst mich nervös mit deiner Kontrollfreak-Art», giftete ich ihn an. Himmel ich konnte einfach nicht anders. Ehrlich nicht. Er reizte mich und ich war kurz davor, zu explodieren. Er nervte einfach so unglaublich mit seiner scheiß Art. Das war nicht auszuhalten.

«Beeil' dich, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit.»
«Was? Musst du wieder dafür sorgen, dass ich heute Nacht keinen Schlaf bekomme?», knurrte ich, als wir zum Wagen liefen. Gerade als ich alles in den Kofferraum- der selbstverständlich per Fernbedienung aufging- einladen wollte, nahm er mir alles aus der Hand.
«Ich mach das schon», murmelte er. Ich zog eine Braue in die Höhe. Auf einmal klickte es und zwar genau in dem Moment, als er eine Decke in dem Kofferraum ausbreitete und anschließend die Utensilien darauf stellte.
«Aha. Du traust mir nicht zu, dass ich mit Farbe umgehen und sie sauber in den verfickten Kofferraum stellen kann?»
«Nein, ehrlich gesagt nicht, Chaos Queen. Und jetzt komm. Ich hab noch mehr zu tun, wie ich bereits erwähnte.»

Wir stiegen wieder in seinen extrem sauberen Wagen und ich schnallte mich an, bevor er mir wieder sagen konnte, was ich zu tun hatte.
«Was hast du denn noch zu tun? Muss ich mir heute Nacht wieder anhören, wie du irgendwelche Tussis bewusstlos vögelst?», rollte ich die Augen. Edward schnaubte.
«Es sind nicht irgendwelche Tussis, okay? Und wenn's dich stört, dann kauf dir scheiß Oropax. Außerdem – nicht, dass es dich was angeht – aber ich muss nachher noch arbeiten.»
Edward arbeitete in der beliebtesten Bibliothek in Manhattan – New York Public Library. Ich für meinen Teil, liebte Bücher und las wirklich gerne, aber ich war zu stolz um ihn zu fragen, ob er mir nicht mal das ein oder andere Buch mitbringen konnte. Lieber ließ ich mich hinfahren und das auch nur, wenn er keine Schicht hatte. Es reichte ja schon, dass wir uns tagtäglich zu Hause sahen.
Edward drehte die Musik wieder so laut, dass keine weitere Konversation möglich war. Mir sollte es recht sein.


*



Zwei Stunden später – alleine zu Hause – hatte ich Silverstein an meinem Laptop laut aufgedreht und strich in einer kurzen Pantie und einem schwarzen, weiten Shirt, gerade die zweite Wand schwarz.
Seit Edward mich hier abgeliefert und dann zu Arbeit gefahren war, hatte ich ohne Pause gemalt. Und jetzt war ich ziemlich zufrieden mit dem Resultat. Gerade überstrich ich den letzten, weißen Fleck und tapste mit meinen nackten Füßen über die voll gekleckste Abdeckfolie. Ich ließ den Pinsel fallen und ging mit schwarzen Fußsohlen in die Küche, da ich einen unglaublichen Durst hatte. Ich würde einfach nachher meine Fußabdrücke von dem weißen Marmorfliesen in der Küche, und dem Parkett im Flur putzen. Edward würde das gar nicht mitbekommen.
Schnell öffnete ich den Kühlschrank und trank genüsslich meinen Kirschsaft aus der Flasche, als .....

Ein klickendes Schloss.

Ruhe.

«BELLA!»

Fuck.

Augenblicklich begann mein Herz zu rasen, als Edward in die Küche gestürmt kam und mit in Falten gelegter Stirn, von den schwarzen Fußabdrücken langsam zu mir aufsah. Purer Zorn auf den Zügen.
«Hast du eigentlich überhaupt kein scheiß Gehirn?», brüllte er los.
«Ich .. uhm...» Heftig biss ich mir auf die Unterlippe und mein Blick wanderte vom Boden zurück zu seinem Gesicht. Er atmete schwer und meine Wangen wurden vor Nervosität heiß. Blut schoss mir ins Gesicht.
«Öhm .. ich wollte das noch wegmachen?»
«Du wolltest das wegmachen?» Er ging zum Spülbecken und bückte sich, um direkt darunter aus dem Schrank Putzmittel zu holen. Er hielt den Lappen sofort unter das Wasser und drehte sich wütend zu mir.
«Hier» Er knallte den pitschnassen Lappen auf die Fließen. «Du unfähige Tussi. Mach den Scheiß weg!»

Nun brodelte auch in mir die Wut. Was zum Teufel war sein Problem!?
«Halt die Klappe!», rief ich und wischte meine schweißnassen Hände am Shirt ab. «Ich bin alles andere als unfähig! Du musst nicht direkt beleidigend werden!» Schwer atmend blickte ich an mir selbst hinab und stellte fest, dass ich quasi in schwarzer Farbe badete. Trotzdem war das kein Grund mich so fertig zu machen. «Ich hasse dich so!», warf ich ihm wütend entgegen. «Du bist so ein verfluchtes Arschloch!» Plötzlich schossen mir Tränen aus Wut in die Augen. Was fiel ihm ein, mich als unfähige Tussi zu betiteln?!

«Gott, du Kind. Heul' hier nicht rum», zischte er mir entgegen. «Hauptsache alles dramatisieren, nicht wahr Bella?»
Auf einmal ertönte hinter uns ein schallendes Gelächter.
Wir fuhren beide herum und Jasper stand dort, eine Hand an die Wand gestützt, mit der Anderen hielt er sich den Bauch vor Lachen. Wütend wischte ich mit dem Handrücken über meine Augen. Ich fand das alles gar nicht witzig.
«Was findest du so lustig?», zischte ich in seine Richtung.
«Ihr seid der Hammer!», war alles was er lachend hervor brachte, ehe er den Kopf schüttelte und in sein Zimmer ging. Selbst von dort aus konnte ich das Glucksen noch hören.
«Und du: Ich dramatisiere gar nichts!», wandte ich mich wieder an Edward, der mich immer noch wütend anfunkelte. Sein Blick verursachte noch mehr Wut-Tränen. Ich wollte ihn schlagen!

Im Hintergrund hörte ich immer noch meine Musik durch die Wohnung hallen. Meine Wut auf Edward steigerte sich von Minute zu Minute mehr. Für was hielt der Kerl sich eigentlich? Was dachte, wer er sei, dass er MIR sagen konnte, was ich zu tun und zu lassen hatte?! Unter normalen Umständen, hätte ich meinen Dreck wieder weggemacht, aber jetzt gerade war ich dermaßen angepisst, dass gar nichts mehr ging.
«Mach das sauber», schnaubte er und deutete auf den nun schwarz-weißen Boden. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen und ich blinzelte wütend die Tränen weg.
«Mach deinen Scheiß alleine, Mister Perfect. Hast du ein Problem mit dem Dreck? Schön, dann mach ihn weg! Und komm von deinem hohen Ross runter, du bist nichts Besseres, als wir anderen hier! Eigentlich bist du GAR NICHTS im Vergleich zu den Anderen!», warf ich ihm entgegen und fuhr herum, um aus der Küche zu stürmen. «Ich bin nicht deine Angestellte, Cullen!», schrie ich noch vom Flur aus, ehe ich in mein Zimmer ging und lautstark die Tür hinter mir zuknallte. Um sicher zu gehen, dass er nicht reinkommen oder mich weiterhin belästigen konnte, schloss ich zusätzlich noch ab und drehte dann meine Musik noch ein ganzes Stück lauter.

In dem Versuch mich zu beruhigen, riss ich die Folie vom Boden und stopfte sie in meinen Mülleimer. Mein ganzes Zimmer roch nach Farbe, was bedeutete, dass ich heute Abend wohl nicht in meinem Bett schlafen würde.
Als nächstes machte ich mich daran, mein Bett frisch zu beziehen – ich hatte den Tick, meine Bettwäsche nach Mustern zu wählen, was bedeutete, dass immer Karos, Punkte, Kreise, Leopardenmuster, Zebramuster oder sonst was drauf waren.
Aber das alles lenkte mich nicht ab. Während ich ein dunkles Laken auf meine Matratze spannte, regte ich mich innerlich immer noch über Edward auf.
Egal was ich tat, in seinen Augen war es falsch. Immer musste er mich kritisieren oder dumm anmachen. Wieso konnte er mich nicht einfach in Ruhe lassen?! Ich war nun mal ein chaotischer Mensch, aber Himmel, musste ich meine Persönlichkeit ändern, damit Mister Perfect zufrieden war?! Musste ich jetzt auch zum Ordnungsfreak werden, damit ich meine Ruhe vor ihm hatte?

Sollte er doch ausziehen, wenn ihm was nicht passte. Dieser dumme Mistkerl.
Immer noch rasend vor Zorn, überzog ich meine Bettdecke neu. Ich hatte mich für Bettwäsche in schwarz mit roten, verschieden großen Kreisen entschieden. Als ich fertig war, betrachtete ich das Gesamtbild. Es dauerte eine Weile, bis ich es geschafft hatte, meine roten Vorhänge aufzuhängen, aber am Ende harmonierte alles wirklich toll miteinander.
Ich fing an, ein wenig aufzuräumen. Was hätte ich auch sonst tun sollen? Ich wollte nicht nach draußen gehen und diesem eingebildeten Schleimer über den Weg laufen.
Warum war er überhaupt so früh zu Hause gewesen? Normalerweise arbeitete er doch länger.
Aber gut. Heute war das wohl nicht so. Möglicherweise war es einfach seine Hauptaufgabe mir auf den Sack zu gehen, nur ließ ich mich auf seine kranken Spielchen nicht mehr ein. Sollte er zur Hölle fahren, war mein letzter Gedanke, bevor ich energisch alles was mit Edward Cullen zu tun hatte, gekonnte zur Seite schob.



Später am Abend, nachdem ich eine heiße Dusche hatte, ging es mir besser.
Es war schon halb 12 und ich beschloss, schlafen zu gehen. Immerhin musste ich morgen wieder zur Uni.
Von Edward hatte ich nichts mehr gehört und ich war sehr froh darum, Jasper hielt sich in seinem Zimmer auf und momentan war es wirklich ruhig in der Wohnung.
Ich klaubte also meine Bettdecke und Kissen zusammen, da ich ja im Wohnzimmer schlafen würde – immerhin war mein Zimmer frisch gestrichen – und schlenderte in den Flur. Gähnend tapste ich Richtung Nebenzimmer, als mir plötzlich etwas in den Sinn kam. Edward hatte gesagt, ich solle putzen. Der Boden war befleckt gewesen.
Vorsichtig hob ich meine Bettwäsche ein Stückchen von meinem Gesicht weg und senkte den Blick.

Der Boden glänzte in einem reinen Weiß.


*





Gut gelaunt, schloss ich meine Zimmertüre hinter mir. Es war zwar scheiß kalt in dem Raum, aber ich wollte ja unbedingt die Fenster über Nacht offen lassen, damit der Geruch der Farbe raus ging und ich heute Nacht wieder in meinem Bett schlafen konnte. Summend - meine neuen Wände und das aufgeräumte Zimmer waren der Auslöser- wanderte ich in die Küche. Mister Perfektionist und Jazz, mein Ruhepol in diesen vier Wänden, saßen bereits am Küchentisch. Frühstückten und tranken Kaffee. Ich hof die Augenbraue als ich feststellte, dass für mich mit gedeckt war. Unser riesiges Retroküchenradio lief im Hintergrund und würde ich nicht zu 99,9% wissen, dass Edward sobald ich den Raum betrat ausflippte, könnte man meinen, dass hier glänzende Laune und vor allem Harmonie herschte.
«Guten Morgen», rief ich den beiden entgegen und ließ mich auf meinem Stuhl nieder. «Kaffee, Kaffee, Kaffee. Ich brauch Kaffee», sprach ich mein inneres Mantra vor mich hin. Jazz lachte, erwiderte mein Guten morgen und biss in seinen Toast. Edward ignorierte mich. Ohh jaaa.. wie schön.
«Guten morgen,Edward!», sprach ich ihn extra an. Ein wenig reizen konnte einfach nicht schaden.

Er war gerade dabei, in seinen Bagel zu beißen, als er den Blick hob und mich wütend anfunkelte, ohne zu antworten. Ich presste die Lippen zusammen und strich gedankenverloren über meine schwarze Strumpfhose.
Jasper reichte mir wortlos die Kaffeekanne und ich schenkte mir welchen ein, kippte ein wenig Zucker hinein und rührte um.
«Nicht zu viel von dem Zeug, Bella», sagte Edward ohne mich anzusehen. «Sonst wirst du noch hyperaktiver, als du es ohnehin schon bist.» Er nahm ungerührt einen Schluck Kaffee zu sich und ich ignorierte ihn.
«Also Jazz? Hast du schon irgendwelche Pläne fürs Wochenende?», fragte ich dann scheinbar gleichgültig. Er zog eine Braue in die Höhe.
«Yeah, ich wollte mit Alice ihre Eltern besuchen und-»
«Stop!», unterbrach Edward ihn. «Das heißt du lässt mich mit der-» Er deutete mit einem Finger auf mich. «-ein Wochenende alleine?»
«Meinst du, ich hätte Lust darauf du Vollpfosten?», knurrte ich und trank einen großen Schluck Kaffee. Aah ja. Schon besser.
«Gott Leute. Tut nicht so, als wäre es der Weltuntergang», verdrehte der Blonde die Augen.
«Ist es!», warfen Edward und ich zeitgleich ein. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen.
«Ach komm, als hättest DU einen Grund dich zu beschweren, Madame. Du machst doch den ganzen verfluchten Tag nichts, außer faul auf der Couch zu hocken-»
«Ich lerne, lese und kümmre mich um meine Freunde, Cullen! Denn im Gegensatz zu dir, bin ich dankbar so schnell welche gefunden zu haben.»

«Zu dumm, dass du dann ausgerechnet in MEINEM Freundeskreis gelandet bist», giftete er los und kaute auf dem Bagel rum.
«Gott, können wir nicht einfach in Ruhe frühstücken?» Jasper sah von einem zum Anderen. «Hört auf euch dauernd anzukeifen. Manchmal ist es lustig, aber um diese Uhrzeit nervt es einfach.»
«Aber Jazz, sie wird mich in den Wahnsinn treiben-», fing Edward an und wurde von Jazz unterbrochen.
«Du tust es nicht anders, also. Reißt euch zusammen. Ihr wisst ja, was sich liebt das neckt sich.» Jasper grinste und strich Marmalade auf seinen Buttertoast.
«Was sich liebt das neckt sich?», wiederholte ich sein Gesagtes und verbrannte mir die Zunge an meinem heißen Kaffee. «Aua!»
«Tja, wie ein Kind. Du musst dich erst verbrennen, bis du kapierst, dass Kaffee heiß ist», grinste Edward mich an und fast keimte der Verdacht in mir auf, dass es ihn freute, wenn ich mir weh tat.
«Halt deine Klappe und erstick an deinem Bagel!»
«Verbrenn du dir bitte den Hals und deine Stimmbänder, dann ist es hier endlich mal friedlich», schoss er zurück.
Jasper fing zu lachen an. «Gott, was würdet ihr nur machen, wenn euer dritter Mitbewohner genauso launisch wäre wie ihr?», fragte er in die Runde und lehnte sich zurück. Er kaute genüsslich auf seinem Toast und trank immer wieder einen Schluck Kaffee. Ich griff nach dem Brotkorb und nahm mir einen Bagel.
«Bella, das sind meine!», keifte Mister Perfect wieder los und entriss mir den Brotkorb. Augenblicklich keimten Wut und Zorn in mir auf.
Ich leckte mit meiner Zunge einmal über den Brotteig. Edward riss die Augen auf und Jasper kicherte.
«Hier. Du kannst ihn wieder haben!» Unbekümmert hob ich ihm das Teil unter die Nase und trank von meinem Kaffee. «Ich will ihn doch nicht mehr!»

«Gott Swan, du verstehst es wirklich, jemandem den Morgen zu verderben», schnaubte er, ehe er wütend aufstand und aus der Küche stürmte – nicht ohne vorher seine Krawatte zu richten.
Ich zuckte die Achseln und trank erneut von meinem Kaffee. «Ich hab dich auch lieb, Baby!», rief ich ihm noch nach und hörte ihn ein «Leck mich» grummeln. Pf. Das hätte er wohl gerne.
«Man», seufzte Jasper. «Ich hoffe ich muss zu keiner Beerdigung, wenn ich wieder komme.»
«Nö. Bestimmt nicht .... es sei denn ....» Mein Blick wanderte zu den verschieden großen Messern, die an der Wand hingen und Jasper lachte erneut.
«Was machst du denn am Wochenende?», fragte er mich nun.
«Uhm, Rose und Em haben gefragt, ob ich mit ihnen weg gehe, aber ich bin mir noch nicht sicher..»
«Warum?» Er legte die Stirn in Falten und schob den leeren Teller von sich.
«Hab keine Begleitung.»
«Dann such dir eine.»

«Du bist witzig, Whitlock», grinste ich ihn an «Ich renn doch nicht auf der Straße rum und spreche irgendjemanden an.. 'hey, ich bin einsam, allein und verzweifelt, gehst du mit mir und Freunden auf 'ne Party'?» Jazz lachte schallend los, als meine Stimme sich auf eine verzweifelte Kleinmädchen-Lage änderte.
«Na ja... du kannst es dir auch leichter machen!», sagte er und nickte mit dem Kopf Richtung Flur. Ich zog eine Braue in die Höhe.
«Bitte?», fragte ich nach.
«Edward!», war alles was er sagte. Meine Augen weiteten sich leicht und mein Blick wanderte erneut zu den Messern. Jazz fing wieder zu lachen an.
«Glaub mir Bella, mit dem kann man super feiern, er ist echt lustig und ein guter Kumpel!», erklärte er und ich verdrehte die Augen.
«Jazz, das Problem an der Sache ist, wenn er mit geht, komm ich eh nicht in den Club rein. Ich weiß nämlich nicht, ob ich da mit einem chinesischen Messersortiment wirklich rein komme, falls sie meine Tasche kontrollieren sollten!» Meine Stimme klang verzweifelt und ich girff mir gespielt an mein Herz.
«Bells, ich mein das ernst.» Jasper schenkte sich Kaffee nach und rührte ihn mit dem Löffel um.
«Jazz, ich auch!», grinste ich und biss in meinen Bagel mit Frischkäse und Tomate.
«Frag ihn, geh mit ihm dahin und habt Spaß.»
«Du kommst in die Hölle Jazz», murmelte ich vor mich hin.
«Was hast du gesagt?», fragte er nach und seine Mundwinkel zuckten.
«Mit dem? Niemals!», zischte ich und kaute auf dem Brotteig herum.




Etwa eine halbe Stunde später, stand ich unten vor der Haustüre und wartete auf Alice. Sie würde heute wieder zur Uni gehen und deswegen nahm sie Jasper und mich mit.
Der Grund, weshalb ich hier draußen im Regen stand, mit meinem schwarzen Schirm, dem schwarzen Wollkleid und den Doc Martens war, dass ich es nicht länger in der Wohnung ausgehalten hatte.
Edward hatte wieder angefangen jeden kleinsten Krümel wegzuräumen und dann hatte er mich dumm angemacht, dass ich nichts tun würde. Ich hoffte, dass sich das bald legte. Langsam ging er mir wirklich auf die Nerven.
Gerade lehnte ich meinen Rücken gegen die Hauswand, als sich die Haustüre öffnete und ich schon erleichtert seufzen wollte. Besagtes Seufzen würgte ich allerdings wieder herunter, als ich Cullen sah.
Mit seiner perfekt sitzenden Jeans, dem blauen Button Down Hemd, der schmalen Krawatte und der Lederjacke darüber, sah er wirklich mal wieder unglaublich gut aus. Seine Haare standen wirr in alle Richtungen ab und er schulterte seine Tasche richtig, ehe er zu seinem Auto lief. Er fluchte leise was von «Warum hab ich den Wagen, verdammte Scheiße noch eins, nicht in die Garage gestellt?!» und sein wütender Blick haftete auf den Regentropfen, die sich auf dem Weiß sammelten.

«Pass auf, die Straßen sind rutschig und wir wollen doch nicht, dass Edward Cullen einen Unfall baut», rief ich ihm sarkastisch nach.
Er ignorierte mich geflissentlich, als er in seinen schneeweißen Audi stieg und die Türe laut zuknallte – das war dann wohl Antwort genug.
Während er den Motor startete, wanderte mein Blick von der reinen Perfektion zu meiner schwarzen Kleidung. Es symbolisierte so viel. Schwarz und weiß. Tag und Nacht.
Ich schüttelte den Kopf, als mir Jaspers Worte in den Kopf schossen, von wegen, er sei ein guter Kumpel und hätte Humor und was weiß ich nicht was. Für mich war er einfach nur nervig, gut aussehend und irgendwie anwesend.
Mehr nicht.

Offenbar schien Alice länger zu brauchen und ich lief genervt zurück in den Hausflur, wo es etwas wärmer war und machte den nassen Schirm zu. Dann setzte ich mich auf die Treppenstufen und packte mein Buch aus meiner Tasche, um mir die Wartezeit zu verkürzen. Ich war einfach ungeduldig und brauchte dauernd irgendeine Beschäftigung. So war es nun einmal.

Meine Finger fuhren über die leicht zerknickte Buchseite und ich seufzte tief, als ich in den schwarzen Buchstaben auf weißem Papier versank.

PROLOG









«Oh ja ... ja .... machs mir fester, Edward. Gott ... jaahhh ...»


Schnaubend zog ich mir das Kissen über den Kopf und drückte es fest auf meine Ohren. Wie lange konnte dieser Mann eigentlich?!

Ich lag jetzt bestimmt schon seit knappen zwei Stunden im Bett und durfte mir anhören, wie Mister Sexy diese Tussi bewusstlos vögelte.


Boom.

Boom.

Boom.


«Härter..»

Gott, wie hart wollte sie es denn noch?! Die musste doch sicherlich schon wund sein, oder nicht?!

«Verfluchte Scheiße», murmelte ich und strampelte die Decke von meinem Körper, um langsam aus dem Bett zu steigen. Müde fuhr ich mir durch das Haar und gähnte ausgiebig.

Verdammt, ich hatte morgen früh um 8 Uhr eine Vorlesung, aber das schien IHN ja nicht zu interessieren. Oder vielleicht machte er es gerade weil er wusste, dass ich eine Vorlesung hatte.

Scheißkerl. Warum wohnte ich nochmal mit ihm zusammen?! Ach ja, das gute Geld. Obwohl er sich ja was Eigenes hätte leisten können, wenn er nicht so ein Arschloch wäre. Seine Eltern hatten ihm das Geld gestrichen und so musste Mister-fuck-me-hard jetzt in einer WG wohnen, bis er sein Verhalten besserte. Erst dann, sponserten ihn seine Eltern wieder.


Genervt seufzend, stand ich nun auf und schlenderte leise durch mein Zimmer, öffnete die Türe und betrat den Flur.

Boom. Boom. Boom ........

«Ja...ja... ja ... jaaaa..... JAA!»

Stille.

Halleluja, die Gute war offenbar gerade gekommen. Zum vierten Mal. Ich runzelte verärgert die Stirn und lief in meinem viel zu großen Shirt und der Boxershort, die ich mir zu Schlafen gekauft hatte, in die Küche.

Mit meiner Hand tastete ich nach dem Lichtschalter und als ich ihn fand, erschrak ich beinahe zu Tode, als ich Jasper auf der Anrichte sitzen sah. Er hatte die Beine angewinkelt, trug eine Flanellhose und hielt eine Zigarette in der Hand. Seine Haare waren ein einziges Chaos.

«Auch eine?», fragte er mich und deutete auf das Marlboro-Softpack auf dem Tresen. Ich nickte, setzte mich neben ihn und nahm mir eine Kippe.

Jasper hielt mir das Feuerzeug unter die Nase und ich genoss den ersten, tiefen Zug, den ich nahm.

«Edward?», fragte er mich dann.

«Yeah. Wie viele schlaflose Nächte hab ich schon wegen ihm hinter mir?», wollte ich wütend wissen.

Jasper lachte leise und zuckte die Achseln. «Immerhin bist du die einzige Frau, die wegen Edward Cullen nicht schlafen kann und das, ohne von ihm berührt zu werden.» Das sollte mich jetzt vielleicht mit Stolz erfüllen, aber das tat es nicht, denn ich war verflucht nochmal wirklich scharf auf ihn ... was ich ihm nie sagen würde, da wir beide uns hassten.


Diese Antipathie bestand seit dem ersten Tag, an dem ich diese Wohnung betreten hatte.

Edward, Jasper und ich studierten hier in New York. Mein Studium hatte gerade erst begonnen ... ich war 19 Jahre alt und hatte es mit einem Stipendium an die Uni geschafft.

Natürlich hatte ich auch eine Unterkunft gebraucht und nach einer WG gesucht, da ich mir eine eigene Wohnung leider nicht leisten konnte. Meine Eltern waren nicht so wohlhabend, wie manch andere. Es reichte,für ein schönes Leben, aber eben nicht für ein Exklusives. Mein Vater war Kleinstadt-Cop und meine Mum verdiente ihr Geld als Lehrerin ...

Tja und dann entdeckte ich eben die Anzeige am schwarzen Brett im College – Zimmer zu vermieten. Wir studierten alle an der Columbia University, in Manhattan, das Apartment befand sich allerdings auf der anderen Seite – Brooklyn. Um mir dieses Zimmer leisten zu können, jobbte ich nebenbei bei Wallmarkt – Regale einräumen. Aber besser als gar nichts, oder?

Jasper hatte ich vom ersten Moment an ins Herz geschlossen. Er war der typische, verruchte, lässige Musiker-Typ. Er machte sich keinen Stress, ließ jeden Tag auf sich zukommen und genoss jede Sekunde.

Edward Cullen hingegen, war mir sofort ein Dorn im Auge. Er war so was von arrogant und überheblich und das, obwohl er hier in einer verfluchten WG wohnte. Worauf bildete er sich was ein?!

Jasper hatte mir erklärt, dass Edwards Dad zu den angesehensten Chirurgen in Los Angeles gehörte. Von seiner Mutter wusste ich nichts, Jasper hatte mir nichts erzählt.

Die schwammen nur so im Geld. Aber na ja, Edward war ein auffälliger Junge. Er hatte sehr viel Scheiße gebaut und deswegen hatte sein Vater ihm, bevor er das Studium begann, das Geld gestrichen. Er wollte das durchziehen, bis die Uni beendet war. Cullen war mittlerweile 22 – drei Jahre älter als ich – und es dauerte nicht mehr lange, bis er es hinter sich hatte. Nebenbei jobbte er, um sich die Miete leisten zu können, in einer Bibliothek.

Was aber in absolutem Widerspruch zu dieser rebellischen Art stand, war, dass er der Perfektionist schlechthin war. Wenn er etwas tat, dann tat er es richtig. Wenn er etwas begann, beendete er es.

Er hasste es, wenn man Kaffeetassen ohne Untersetzer auf Tische stellte, oder wenn seine Hemden nicht gebügelt waren. Normalweise taten das Angestellte für ihn, aber jetzt musste er noch ein Jahr selbst damit auskommen. Und das gefiel ihm natürlich nicht.

Warum ich ihn nicht mochte? Eben genau wegen den oben genannten Gründen. Ich hatte keine Ahnung, was er gegen mich hatte, aber wann immer ich einen Raum betrat, verließ er diesen. Wenn ich etwas sagte, verdrehte er die Augen ... und, und, und.

Und trotz alldem, war er eine verdammte Versuchung. Schnell versuchte ich diese Gedanken zu verdrängen. Ich sollte nicht so über ihn denken!


«Wie viel Uhr haben wir?», lenkte ich vom Thema ab.

«Drei», seufzte Jasper. «Morgen 'ne Vorlesung?» Ich nickte müde und zog ein weiteres Mal an meiner Kippe.

«Um acht Uhr!», warf ich verärgert ein und zog die Brauen zusammen. Jasper lachte und wuschelte mir durch das Haar.

«Dann lass die Vorlesung doch einfach ausfallen!»

«Wegen DEM? Meinst du ich geb' ihm die Genugtuung?!», fragte ich ungläubig. «Kannst du haken. Das will er doch nur.»

«Ach komm, Bells. So schlimm ist er gar nicht. Wenn er nicht SO drauf ist, ist er echt in Ordnung», wandte er ein. «Er hat sie einfach noch nicht gefunden. Miss Perfect.» Ach ja. Beinahe hätte ich vergessen, wie gut die beiden miteinander befreundet waren.

«Das geht jetzt schon, seit ich hier wohne so, Jasper. Und das sind ganze, verdammte, drei Monate! Drei Monate tu' ich mir das an!»

«Bald hast du es hinter dir», zwinkerte er mir zu und drückte seine Zigarette aus.


«Baby?», durchbrach eine verschlafene, leise Stimme unsere Konversation. Jasper lächelte leicht und hob den Blick, als Alice mit einer, um ihren Körper geschlungenen Decke und verwuschelten, wilden Locken im Türdurchgang stand.

Ich seufzte – sie war die Freundin von Jasper und gleichzeitig unsere Nachbarin.

«Oh hey, Bella», gähnte sie.

«Hey Alice.» Ich seufzte tief und sie grinste schwach.

«Edward, mh?» Ich nickte bestätigend, woraufhin Alice leise kicherte. «Kommst du ins Bett, Schatz?», fragte sie an Jasper gewandt.

Dieser nickte und schwang sich von der Anrichte. «Versuch ein bisschen zu schlafen, Kleines», sagte er und küsste mich auf die Wange, ehe er Alice einen Arm um die Schultern schlang und sie in den Flur verschwanden.


Wieder seufzte ich verärgert und drückte meine eigene Zigarette aus, um dann den Kopf gegen die kühlen Fließen hinter mir zu lehnen.

Versuchen zu schlafen, das war leicht gesagt. Noch immer konnte ich die leise gemurmelten Worte von Cullen und seiner Tussi hören. Wahrscheinlich wieder ein gebrochenes Herz.

Ich hatte keine Ahnung,warum er das mit den Frauen machte. Ehrlich nicht. Aber was ich wusste war, dass ich ihn hasste.

Sein Leben ging mich nichts an, natürlich nicht, aber Himmel, konnte er nicht wenigstens Rücksicht nehmen?! Ich verlangte ja nicht, dass wir beste Freunde wurden, aber konnte er einen Menschen nicht schlafen lassen? Das war doch wirklich .... abnormal. So oft wie der Sex hatte ... ich konnte es nicht mehr zählen. Er hatte immer für ein paar Tage oder Wochen eine Frau an seiner Seite, doch er machte letztendlich doch wieder Schluss. Denn keine war perfekt genug. Keine war gut genug.

Ich für meinen Teil, gab mich mit dem zufrieden was ich hatte. Emmett, meinem besten Freund, der über uns wohnte und Rosalie, seine Freundin und gleichzeitig auch meine Freundin, die ebenfalls über uns wohnte – mit ihm zusammen. So hatten wir alle uns auch erst kennen gelernt. Rosalie mochte Edward genauso wenig wie ich. Emmett hingegen, war mit ihm befreundet, was ich gar nicht cool fand.

Aber na ja. Jedem das seine.


Das Dumme an Cullen war, dass er wirklich irgendwie makellos war. Seine Haare saßen in ihrem Sex-Look immer perfekt. Seine Figur war – wie ich bei einer Begegnung in der Küche feststellen dufte – Gott gleich. Er sah einfach nur perfekt aus. Außerdem war er gebildet. Aber das war nicht alles. Edward hatte eine wirklich krankhafte Affinität für Ordnung, das war mir sofort aufgefallen.

Als ich Jasper danach fragte, hatte er mir keine Antwort auf die Frage geben können. Aber es stimmte tatsächlich, er war krankhaft ordentlich.

Was ich auch von Jasper wusste war, dass Edward kein Arschloch war. Zumindest verteidigte er ihn in dieser Hinsicht immer. Er meinte, dass er niemals grundlos durch die Gegend vögeln würde, sondern dass er auf der Suche sei.

Whatever, alles was ich wirklich von ihm wusste war, dass er Dreck verabscheute, seine Hemden selbst bügelte, zu wenig schlief, zu viel rauchte und eine verdammt sexy Lesebrille hatte ... Nun ja, zumindest hatte er sie nur in der Uni an, woanders sah man ihn damit nicht.

Sein Zimmer durfte man nur auf seinen Wunsch hin betreten – demnach hatte ich es noch nie gesehen. Bevor er die Wohnung verließ, schloss er auch jedes Mal ab. Was verbarg der Master himself dahinter? Ich hatte keine Ahnung. Und was war sein wirkliches Problem? Auch darauf hatte ich keine Antwort.

Aber eine Sache wusste ich mit Sicherheit : ich wollte – verfluchte Scheiße noch eins – schlafen.


Gerade als ich mich von der Anrichte schwingen wollte, hörte ich Schritte und Gemurmel im Flur, dann die zufallende Haustüre und dann stand Edward im Türrahmen.

Er würdigte mich keines Blickes, als er sich den Aschenbecher neben mir nahm und ihn im Mülleimer leerte.

«Du sollst das Fenster aufmachen, wenn du rauchst», sagte er monoton. Ich betrachtete seinen nackten Oberkörper und die – gebügelt aussehende – Boxershort, die ihm auf den Hüften saß und ich runzelte die Stirn.

Meine Augen verfolgten seine Rückenmuskulatur, als er den Kühlschrank öffnete und sich dann leicht bückte, um nach der Wasserflasche rechts im Fach zu greifen – er hatte sie mit einem Post-It auf dem 'Edward' stand, markiert.

Sein knackiger Hintern sprang mir förmlich entgegen. Ich leckte mir über die Lippen. Er war so sexy. Sein ganzes selbstsicheres Auftreten war so sexy ... Nur leider war er einer der Menschen, die undurchschaubar waren und mein Temperament bis zum Zerreißen spannten. Ich war nie ein ruhiges Mädchen gewesen. Niemals. Ich war immer jemand, der seine Meinung offen sagte – ob sie den Leuten nun passte oder nicht. Und wenn mich jemand nachts nicht schlafen ließ und mich dann noch dumm von der Seite anmachte, weil ich ein verficktes Fenster nicht geöffnet hatte, dann konnte ich mich wirklich nicht mehr zurückhalten.


«Mach dein beschissenes Fenster doch selbst auf», fuhr ich ihn an und sprang von der Anrichte. Edward nahm sich unbeirrt ein Glas aus dem oberen Schrank und schenkte sich Wasser ein. Ich funkelte ihn wütend an, als er sich herumdrehte und an den Tresen lehnte. Schluck für Schluck, trank er sein Wasser und griff nach dem Softpack, um sich eine Kippe rauszuziehen.

«Warum bist du überhaupt noch wach?», fragte er mich nun. Es reizte mich so, dass er ruhig blieb. Warum ich wach war?! Warum zur Hölle ich wach war?!

«Blondi in deinem Zimmer war nicht sonderlich leise, weißt du?», schnaubte ich und strich mir das Haar zurück. Er zog lediglich eine Braue in die Höhe.

«Sie hat schwarzes Haar und heißt Patrisha, by the way», sagte er und zündete sich die Kippe an – in der anderen hand noch immer das Glas. «Nun, Bella, du weißt, dass ich die Nächte nicht zum Schlafen nutze.»

«Ja!», fuhr ich ihn an. «Aber weißt du es gibt durchaus Menschen, die nachts verdammt nochmal SCHLAFEN, Cullen! Menschen, die nicht 'auf der Suche' nach was auch immer sind. Und das auch noch mitten in der verfickten NACHT! Menschen, die was aus ihrem Leben machen und nicht -»

«Was aus deinem Leben machen?», unterbrach er mich spöttisch und nahm einen tiefen Zug seiner Kippe. «Was aus deinem Leben machen ... Mhmh ... Schwer, als lächerliche Kunststudentin.»


«Oh entschuldige, dass nicht JEDER Medizin studiert, um Chirurg zu werden und irgendwelchen Schlampen Silikon einzupflanzen... In LA!» Ich war so wütend. Er stellte sich IMMER über mich. Er meinte IMMER er sei was besseres als ich. Jasper studierte Musik – dazu sagte er nichts. Aber weil ich Kunst studierte, weil ich fasziniert davon war, stellte er mich hin, als hätte ich keine Lebensziele. Die hatte ich durchaus. Edward Cullen war widerlich und er lächzte nach Aufmerksamkeit. Das war schon immer so. IMMER musste er im Mittelpunkt stehen. Zwar kannte ich ihn erst ein paar Monate, aber das wusste ich durchaus. Jede Gelegenheit die sich ihm bot, nutzte er, um von allen angehimmelt zu werden. Als hätte er ADS. Was noch schlimmer an ihm war, war dieser unglaubliche Ehrgeiz. Es war nicht mehr normal – wirklich nicht.

Alles was er nicht konnte, lernte er. Und das nervte dermaßen. Ich sagte bereits – Zwangs-neurotisch. Diese Perfektion ging mir auf die Nerven.


«Oh ja, stimmt. Du bist der nächste Picasso, hab ich recht? Oder nein warte – Van Gogh, nicht wahr?», fragte er gespielt interessiert und drückte die Zigarette aus. Dann ging er zum Waschbecken, spülte sein Glas aus und trocknete es ab, ehe er es zurück in den Schrank stellte. Edward kippte das Fenster, leerte den Aschenbecher aus und ging an mir vorbei. Seufzend strich er imaginäre Krümel von der Anrichte, ehe er Richtung Flur ging.

«Wenn du was aus dir machen willst, dann arbeite verdammt nochmal dafür, Bella. Und setz' deine Erwartungen nicht zu hoch. Eine lächerliche Künstlerin wie du es bist, wird es nicht weit bringen. Du wirst wahrscheinlich diejenige sein, die mich nach Geld anbettelt in ... mhmh .. sagen wir zehn Jahren.» Er öffnete die Küchentür, drehte aber nochmals den Kopf über die Schulter.


«Mach das Licht aus und die Tür zu, bevor du schlafen gehst.»

Und alles was ich tun konnte, war den Aschenbecher zu nehmen und ihn mit voller Wucht gegen die Tür zu schmeißen. Er zersplitterte in tausend kleine Teile. Mir doch egal.

Sollte Mister Perfect seinen Scheiß doch alleine weg machen.



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