Die unverständliche Sprache eines Cullens...
...oder : Do you speak Cullnish?!
Ich zog die Unterlippe zwischen die Zähne und umklammerte die Türklinke fester mit meiner Hand.
Abermals huschten meine Augen über das mir gebotene Bild.
Zwar, hatte er mir den Rücken zugewandt, doch trotzdem konnte ich ihn sehen, da der Spiegel an der mir gegenüberliegenden Wand hing und ich von hier aus eine perfekte Aussicht auf sein Spiegelbild hatte.
Das ganze Badezimmer stand unter Dampf, die Scheiben waren beschlagen … Mein Blick wanderte von seinen strammen Waden, über seinen knackigen Hintern, der bloß von einem dunkelblauen Handtuch umhüllt wurde, über seinen geschmeidigen Rücken. Ich beobachtete die Linie, welche seine Wirbelsäule bildete … die leichten Wassertropfen, die von seinem Nacken, über seine Schulterblätter flossen. Seine muskulösen Arme, welche vor gerade Mal drei Tagen – und gestern – noch um meinen Körper geschlungen waren.
Er hob seine Hand und strich sich durch sein feuchtes Haar.
Gott, ich hatte noch nie so etwas Attraktives gesehen, wie Edward Cullen, wenn er aus der Dusche stieg.
Keine Ahnung, wie lange ich schon durch den kleinen Türspalt lugte, welcher den Flur vom Badezimmer trennte … doch mit jeder Minute, wurde das Kribbeln in meinem Körper und die Hitze in mir immer extremer.
Manch einer würde das, was ich hier tat, als Stalken bezeichnen … ich nannte es Tatsachen erörtern. Ich meine, ich musste doch wissen … wie genau der Mann in all seiner göttlichen Schönheit aussah, der mich vor ein paar Tagen noch beinahe bewusstlos küsste, oder? Bisher hatte ich immer nur seinen Oberkörper gesehen … Himmel, ja, den Oberkörper … auch dieser hatte nun eine ganz andere Wirkung auf mich. Seit ich wusste, wie es war, seine Lippen zu berühren … seit ich seine Zunge in meinem Mund gespürt hatte … ehrlich, ich konnte kaum mehr an etwas Anderes denken.
Mit ehrlicher Bewunderung und … - ich konnte es nicht verleugnen – Begierde, beobachtete ich, wie er die Arme über den Kopf streckte und zuckte bei dem leisen Knacken, welches ertönte, als er den Kopf von links nach rechts drehte, ein wenig zusammen.
Ich meine, ich fand Edward ja schon immer sexy … genauso sexy, wie ich ihn merkwürdig fand … aber jetzt … nachdem er mich spüren lassen hatte, was er konnte … und warum ganz offenbar so gut wie jede Frau auf ihn stand … war es noch extremer. Und Himmel, ich hatte noch immer nicht wirklich realisiert, was da eigentlich am Wochenende zwischen uns beiden passiert war.
Alles was ich wusste war, dass mich diese Küsse … sowohl der im Club, wie auch der, den ich gestern Abend in der Küche ergatterte, sogar in meinen Träumen verfolgten. Und seitdem nutzte ich jede Gelegenheit – wenn Edward und ich uns mal ausnahmsweise NICHT ankeiften – das sexy Muskelspiel seiner Arme und jedes Lippenlecken seinerseits zu genau zu analysieren.
Ein lautes «Hey Bells, was machst du denn da?» schreckte mich aus meinen Gedanken und ...Beobachtungen.
Schnell wandte ich den Blick von dem Gott im Spiegel ab und fuhr erschrocken herum, nur um in das fragende Gesicht Jaspers zu sehen.
Mit einem lauten Ausatmen, griff ich mir an die Brust, worunter mein Herz schnell und unregelmäßig schlug …. wie das, eines Kindes, das gerade beim Schokoladenaschen vor dem Abendessen erwischt wurde.
Langsam öffnete ich meine Augen wieder,welche ich vorhin geschlossen hatte, und blinzelte Jasper ein paar Mal entgegen. Noch immer hatte er einen ziemlich fragenden Ausdruck auf den Zügen.
«Ähm ...», murmelte ich und kratzte mich verlegen am Kopf. «Ich warte, dass das Bad frei wird...?» Jasper beäugte mich noch einen Moment misstrauisch und erst jetzt fiel mir auf, dass auch er noch ziemlich verschlafen wirkte und in Boxershorts durch die Gegend lief. Es war Montagmorgen ...
«Mh», machte er dann und gähnte anschließend laut. «Lässt du mich vor dir rein? Du weißt … ich brauch nicht so lang wie du.» Ich rollte leicht die Augen und nickte ihm dann zu.
«Dann geh ich schon mal Kaffee kochen.»
Ich wandte mich von Jazz ab und lief – noch immer in meiner rosa Flanellhose und dem viel zu großen, schwarzen Shirt darüber – in Richtung Küche.
Himmel ja, ich war aufgewacht – vor etwa zwanzig Minuten – hatte die Dusche gehört und … na ja, den Rest kennt ihr ja.
Mit einem leichten Kopfschütteln über mich selbst, betrat ich die Küche und schnappte mir eine Filtertüte, die ich oben in die Maschine steckte. Dann goss ich Wasser hinzu und ließ unsere allmorgendliche Droge durchlaufen.
Während ich darauf wartete, dass der Kaffee fertig wurde, lehnte ich mich an die Anrichte und gähnte laut.
Gestern waren wir alle erst spät ins Bett gegangen. Nach Jaspers Ankunft, saßen wir im Wohnzimmer und unterhielten uns eine Weile … oder besser gesagt : Edward und ich versuchten uns zu ignorieren, während wir beide mit Jasper sprachen. Ich wusste nicht, was es war, doch seit dieser Kuss-Aktion, hatte ich das Gefühl, dass es immer wieder knisterte, wenn wir uns in einem Raum befanden.
Ganz egal, ob wir uns nun anzickten wie die Hölle, oder ob wir einfach gar nichts taten. Allein, wenn er an mir vorbei lief, und diese herrliche Duftwolke dabei hinterließ, musste ich mich zusammenreißen, um ihn nicht anzufallen.
Und das war merkwürdig.
Ich war jemand, der sich sehr schnell verliebte. Jedoch wusste ich, dass ich mich keinesfalls in Edward verlieben durfte, denn das würde nicht gut gehen.
Ganz offenbar – wie er mir am Wochenende gezeigt hatte – fand er mich körperlich anziehend – was ich by the way niemals geglaubt hatte – aber trotzdem zeigte er mir in normalen Situationen seine Abneigung gegen mich noch ganz offensichtlich. Das bedeutete, wenn ich mich in ihn verliebte, würde das nur Herzschmerz und Liebeskummer bedeuten und ich war nicht nach New York gekommen, um mir mein Herz WIEDER brechen zu lassen. Nein, ich wollte hier die ganz große, wahre Liebe finden. So, wie man sie im Fernseher sah. So, wie die großen Autoren sie in ihren Romanen beschrieben... Solch eine Liebe. Und nicht das, was Edward mir gab. Hass, Abneigung … und was auch immer.
Im Grunde war es doch so, jedes Single-Mädchen kam nach New York, um die Liebe zu finden. So richtig. Den Mann zu daten, umschwärmt und begehrt zu werden und nach ein paar Dates irgendwann romantischen Sex zu haben. Später, viel später, nachdem man nach tausend College-Partys – natürlich ging man auf dieselbe Uni, ansonsten würde das Klischee nicht erfüllt werden-, irgendwann keine Lust mehr zum Feiern hatte und die zahlreichen Clubs langweilig wurden, konnte man sich eine gemeinsame Bleibe suchen. Natürlich am Central Park. Klar. Wenn man anschließend ein paar Jahre gearbeitet hatte, würde man sich ein Haus kaufen, in einer besseren Gegend in Manhattan mit dunkelgrünem Vorgarten und weißem Gartenzaun... vielleicht hätte man auch Fensterläden und einen Hund...
«Bella? Bella!», rief Jasper laut und stieß mich in die Seite. «Wo bist du nur wieder mit deinen Gedanken, Madame?», lachte er und schüttelte den Kopf. Edward blickte mich nur durchdringend an und zog eine Braue in die Höhe, wie ich aus dem Augenwinkel erkennen konnte – offenbar fertig im Bad und endlich angezogen. Ich mied seinen Blick und das bewusst. Ich wusste nicht, was er sagen oder wie er reagieren würde, wenn ich ihn direkt ansah oder gar ansprach. Vor allem, war es eigentlich eher untypisch für ihn und mich – wenn Jasper mit im Raum war-, dass wir miteinander sprachen. Normal sprachen. Wir zickten uns lieber an und doch konnte ich irgendwie fühlen, dass nun etwas anders war. Dass sich die Stimmung – auch wenn wir uns beide beharrlich anschwiegen- anders war. Nicht unbedingt besser. Aber anders.
«Ich denk über die Uni nach....», murmelte ich und trank schnell von meinem Kaffee, den ich mir zwischenzeitlich genommen hatte. Wie immer aus einer Walt Disney Tasse, heute hatte ich mich für 'Das Biest' aus die Schöne und das Biest entschieden, denn irgendwie passte es heute zu meiner Stimmung. Das Biest hatte seine Belle auch immer heimlich beobachtet.... bestalkt.. Gott, im Grunde hatte er dasselbe getan, wie ich vorher bei Edward im Bad. Nun ja... es war ein Kinderfilm und sicherlich hätten sie keine nackten Oberkörper gezeigt ... aber Himmel, ihr wisst was ich meine, nicht wahr?
Meine Augen huschten erneut zu Edward, der inzwischen zur Financial Times gegriffen hatte. Ich hatte mich immer gefragt, wieso er von allen Zeitungen auf der Welt, genau diese im Abo hatte aber momentan war es mir egal.
Wie er dort am Küchentisch saß, mit seiner Lesebrille, die Stirn leicht gerunzelt... ab und an an seinem Kaffee schlürfte und nun ja... einfach.. ER war...
Erneut schlürfte ich von meinem Kaffee und Jasper seufzte tief.
«Ich geh eben duschen – lasst mir Kaffee übrig, ja?», meinte er und ich nickte ihm nur leicht zu.
«Klar, Jazz», lächelte ich ihn an. «Du weißt doch, ich würde nie etwas tun, das deine Laune am Morgen runterzieht – schon gar nicht deinen Kaffee weg trinken.»
Jasper lachte und wuschelte mir, als er an mir vorbei lief, durch das Haar.
Dann verließ er die Küche und ich trank erneut einen großen Schluck meines Kaffees, welcher mit Süßstoff gefüllt war – mit ZU viel Süßstoff, aber anders mochte ich ihn nicht.
Über den Rand der Tasse hinweg, huschte mein Blick wieder zu Edward.
Er trug ein perfekt gebügeltes, hellblaues Button-Down-Hemd, bei dem er die ersten zwei Knöpfe offen gelassen hatte … Nichts war mehr von dem coolen Look am Wochenende übrig.
Nicht einmal ein einziger Bartstoppel befand sich auf seiner Wange. Zwar, sah er auch in diesem perfekten Outfit sexy aus, aber der Edward vom Wochenende … er gefiel mir einfach besser.
«Willst du dich nicht anziehen?», riss seine heisere Stimme mich aus den Gedanken. Ich zuckte leicht zusammen und nahm die Tasse von meinen Lippen.
«Ähm was...?», schüttelte ich leicht den Kopf. Edward sah immer noch auf seine aufgeklappte Zeitung, als er weiter sprach.
«Wir haben zehn nach sieben. Willst du dich nicht anziehen?», wollte er nun eindringlicher wissen und hob seinen Blick, um mich über den breiten, schwarzen Rand seiner Lesebrille hinweg anzusehen.
«Ich ähm … wieso fragst du mich das?», entfuhr es mir. Himmel, es stimmt doch. Er interessierte sich sonst nicht die Bohne für mich. Und ich glaube, das war auch das erste Mal, seit ich ihn kannte, dass er schon am Morgen mit mir sprach. Normalerweise war da seine Laune noch nicht gut genug.... na gut, ehrlich gesagt, war seine Laune in meiner Anwesenheit NIE gut.
«Weil ich dich fahre», meinte er ungerührt. Ich stutzte und zog eine Braue in die Höhe. Morgens wurde ich immer von Alice, Rose oder Emmett mitgenommen. Da Jasper eben kein Auto hatte, und Edward … na ja, warum ich nie mit ihm fuhr, das musste ich ja jetzt nicht näher erläutern oder? «Also zieh dich an, verzichte heute eben mal auf die Dusche, wir fahren um zehn vor acht.»
Ich wusste nicht, was mich dazu bewogen hatte, mich wirklich in Richtung Flur umzuwenden, ohne weitere Fragen zu stellen, aber ich tat es. Normalweise war ich nicht so. Normalerweise hätte ich, vor allem bei Edward Cullen, genauer nachgefragt. Wenn er nicht einen persönlichen Vorteil daraus gezogen hätte, würde er mich – Isabella Swan- doch nicht fahren? Er MOCHTE mich doch laut seinen eigenen Aussagen nicht einmal besonders. Möglicherweise war es die Stimmung, die in der Luft lag, sobald Jasper die Küche verlassen hatte ... es war irgendwie schlagartig anders. Als hätte man die komplette, gereizte Luft abgesaugt und sie gegen knistern, knistern und nochmal knistern ausgetauscht. Ich wusste es nicht, aber nun stand ich – ohne noch einmal nachzufragen weshalb er mich fahren würde- vor meinem Kleiderschrank.
Ich griff nach frischer schwarzer – wie meine Seele- Unterwäsche und zog sie mir eilig an, nachdem ich meine rosa Hose und mein übergroßes Shirt ausgezogen hatte.
Anschließend griff ich nach einer dicken lila Wollstrumpfhose und schlüpfte hinein. Ich stand auf diesen Scheiß. Total.
Über die Strumpfhose würde ich ein schwarzes -wie meine Seele- Wollkleid anziehen. Es war warm und sah gut aus. Immerhin musste man ja eigentlich immer gestylt sein, denn man wusste nie, wann einem der Traummann begegnete, nicht wahr?
Ich zog mir noch schnell dicke Socken drüber und schlüpfte in meine schwarzen – wie meine Seele- Wildlederstiefel. Sie waren flach und genau das Richtige bei diesem Wetter.
Ich blickte kurz in den Spiegel, ehe ich mich zu meinen abertausenden Ketten umdrehte und wahllos ein paar schwarze – wie meine Seele- Perlenketten um meinen Hals schlang. Ganz viele. Schmuck konnte man niemals genug haben. Das ging nicht. Es musste richtig schön klimpern, wenn man sich bewegte, anders machte das alles keinen Spaß.
Grinsend über mich selbst, löste ich den unordentlichen Knoten, zu dem ich meine Haare heute Morgen gebunden hatte und stellte befriedigt fest, dass sie in Ordnung so waren.
Sie fielen mir in vielen verschieden großen Locken über die Schultern und den Rücken.
Lächelnd ging ich nachsehen, ob ich mittlerweile ins Bad gehen konnte, da ich Zähne putzen und mich ein wenig schminken musste.
Komisch, dachte ich für mich, eigentlich bin ich morgens immer total mies drauf.. aber heute... seltsam.
Als ich den schmalen Flur betrat, stand die Badezimmertüre weit offen und es war leer, weswegen ich schnell hinein ging und meine Zähne putzte.
Ich schminkte mich noch ein wenig – nicht zu viel – und verließ dann schnell das Bad.
Als ich meine große Tasche schulterte und mich nach den Jungs umsah, entdeckte ich Edward an der Haustüre. Er klimperte bereits ungeduldig mit seinen Schlüsseln und hatte sich mittlerweile auch seinen Trench-Coat angezogen.
«Wo ist Jasper?», wollte ich wissen, als ich auf ihn zuging.
«Schon drüben bei Alice. Sie fahren zusammen», entgegnete er lediglich knapp und öffnete die Haustüre. «Komm jetzt, Bella», setzte er drängend nach.
Ich seufzte tief und lief an ihm vorbei, in den Hausflur. Edward schloss wie immer die Türe hinter uns ab und dann liefen wir gemeinsam nach unten, zur Tiefgarage.
Keiner von uns sprach ein Wort...die Stimmung war, wie die ganzen letzten Tage, unglaublich angespannt zwischen uns.
Gerade, als ich einsteigen wollte, erschien Edward neben mir und streckte die Hände aus. Einen kurzen Augenblick dachte ich, er würde meine Wange berühren, aber seine Hand traf tiefer auf meinen Körper.
«Du solltest deinen Schal richtig anziehen.... es ist kalt da draußen...», flüsterte er und schlang mir meinen lilanen Schal fester um den Hals. In diesem bestimmten Banker Stil. Er legte die Enden zusammen und zog dann die zwei offenen Teile durch den geschlossenen Teil. Er lächelte mich einen Wimpernschlag lang an und seine Augen hafteten auf meinem Gesicht. Ich schluckte schwer und ehe ich Angst haben konnte, dass zwischen uns etwas passieren würde, ließ er von mir ab und ging um den Wagen herum, um sich auf dem Fahrersitz nieder zu lassen. Als er schon saß, erwachte ich erst aus meiner Starre und murmelte ein «Danke» ehe ich ebenfalls einstieg.
Mich umfing der weiche Ledersitz und es roch hier himmlisch nach.... nach Auto... Frische... Leder... und Edward. Sehr Edward.
«Würdest du dich bitte angurten, Bella?», stieß Edward augenrollend hervor.
Ich seufzte und schnallte mich an, dann wandte ich den Blick von ihm ab und sah aus dem Fenster, nachdem er den Motor gestartet hatte.
Die gefrorern Straßen und die eingeschneiten Gebäude, zogen an uns vorbei. Die großen Häuser und Wolkenkratzer New Yorks und die Haufenweise Menschen, die schwer beschäftigt über die Straßen hetzten, telefonierten und mit Starbucks-Pappbechern und Aktentaschen, auf ein Taxi warteten.
Mit einem weiteren Seufzen, sah ich hinüber zu Edward und betrachtete sein konzentriertes Seitenprofil.
«Warum wolltest du mich heute fahren?», wollte ich dann wissen.
Edward warf mir einen kurzen Seitenblick zu, als er den Blinker setzte, um die Spur zu wechseln. Er runzelte die Stirn und als mein Blick auf seine Finger fiel, konnte ich sehen, wie sie krampfhaft das Lenkrad umschlossen.
Nicht so locker und sexy, wie das letzte Mal, als er mich zum Bauhaus gefahren hatte, wegen meiner Farben. Nein jetzt war es so, dass seine Knöchel schon weiß hervor traten.
«Wieso wolltest du mich heute fahren, Edward?», wiederholte ich energischer. Angesprochener seufzte tief und entspannte sich ein wenig in seinem Sitz. Er griff sich einen Moment mit der linken Hand an sein Kinn und strich zweimal leicht darüber... Gott, wie gerne würde ich das übernehmen. Seine weiche Haut unter meinen Fingerkuppen spüren ... wenn ich daran zurückdachte, wie sich seine Wange angefühlt hatte, als wir Freitagnacht in dem Club geknutscht hatten. Als er mich so intensiv geküsst hatte und seine beiden schönen Hände an meine Wangen gelegt hatte, hatte ich das als Aufforderung verstanden, dass ich ihn ebenfalls in seinem Gesicht berühren dürfte. Was eigentlich lächerlich war, denn Himmel, wir küssten uns. Mit Zunge.
Edwards Antwort riss mich aus den Gedanken.
«Lass es einfach gut sein, okay?» Er zog mit seinen Lippen einen kleinen Schmollmund und ich kicherte auf. Verflucht nochmal, was tat ich? Ich kicherte? Fuck.
Ein kaum merkliches Grinsen schlich sich auf seine Lippen, doch da ich ihn und seine Reaktionen gerade genau beobachtete, konnte ich es sehen. Er war so oder so ein schöner Mann, mit markanten Gesichtszügen, aber wenn er lächelte... dann war es... es war einfach schön. Simpel gesagt. Einfach schön. Ich könnte ihn dann stundenlang anstarren, ohne zu blinzeln. Nicht, dass das jemals vorgekommen wäre... aber ich könnte und ich würde wahrscheinlich auch.
In meinem Kopf formte sich ein Bild ... Edward ... nackt auf meinem Bett ... nur ein Laken über den Hüften und sein süßer Arsch würde sich darunter abzeichnen...und er würde mich anlächeln. Befriedigt. Gesättigt.
Hektisch schüttelte ich den Kopf. Ich war total bescheuert. Total durchgeknallt.
«Weshalb schüttelst du den Kopf?», fragte es auf einmal von links. Ich starrte ihn an.
«Das ist dir aufgefallen?», fragte ich erstaunt, ehe ich es zurückhalten konnte.
«Natürlich, mir entgeht selten etwas, das in meiner unmittelbaren Nähe passiert, Bella», erwiderte er leicht genervt.
Himmel, weshalb war er jetzt schon wieder genervt von mir? ER wollte MICH doch mitnehmen. Ich hatte ihn nicht darum gebeten.
Ich wandte den Kopf ab und sah nach draußen. Es war ein richtiges Matsch-kuschel-Kerzen-Tee-Wetter. Nichts würde mich jetzt mehr freuen ... na gut ... ein bisschen knutschen zwischen all den Kerzen und der Wärme wäre auch schön ... aber na ja... wie auch immer. Man konnte nicht alles haben, nicht wahr?
«Also, weshalb nun?», fragte er noch einmal nach und fuhr auf den Parkplatz der Uni. Es war noch relativ leer, da die erste Vorlesung um neun begann und jetzt war es zwanzig nach acht.
Wieso zur Hölle waren wir eigentlich so früh gefahren? Emmett, Rose, Alice und ich fuhren NIE vor halb neun los. Aber gut. Ich würde mir eben noch einen Coffee2Go holen und mir dann einen tollen Platz im Hörsaal sichern.
Ich gurtete mich ab, während ich ihm antwortete.
«Nun, ich habe nachgedacht. Ganz einfach.»
«Und über was?», fragte er und schnallte sich ebenfalls ab, um sich leicht zu drehen und mich anzusehen.
«Was wird das hier? Ein Verhör? Ich habe eben den Kopf geschüttelt, Edward. Es ist nicht der Rede wert», sagte ich und hoffte, dass er nun endlich Ruhe gab.
Himmel, was war nur mit diesem Mann los? Einmal so. Einmal so. Unglaublich. Daraus sollte mal einer schlau werden und den ganze Mist verstehen.
«Wieso zickst du immer so?», fragte er mich und seine Augen fingen zu funkeln an. Seine Mundwinkel zuckten leicht und ich hatte den Verdacht, dass er sich über mich lustig machte.
Wütend kreuzte ich die Arme vor der Brust. DAS würde ich nicht zulassen. Niemand machte sich über mich lustig.
«Wieso bist du immer so pingelig?», schoss es aus mir heraus, ehe ich es zurückhalten konnte.
Er hob eine Augenbraue. Ich ebenfalls.
Er seufzte tief. Ich ebenfalls.
Er leckte sich über die Unterlippe. Ich ebenfalls.
Er fing an zu grinsen. Ich ebenfalls.
Er beugte sich näher zu mir ... und ich ...ich beugte mich ebenfalls näher zu ihm.
Ich war ihm so nah, dass ich seinen fantastischen Duft riechen konnte. Dass ich seine Haut, die richtig schimmerte in diesem tristen Licht, begutachten konnte.... und dann.. einen Wimpernschlag später, hatte er seine Hand an meine Wange gelegt und zog mich sanft – ganz leicht- zu sich. Unsere Lippen berührten sich und ich seufzte auf. Edwards Mantel raschelte leicht, als er sich bewegte und mich mit der anderen Hand ebenfalls näher zu sich zog. Unsere Lippen bewegten sich sanft aber doch bestimmend auf denen des anderen. Meine Zunge strich automatisch über seine Unterlippe und als ich bemerkt hatte, dass sich sein Mund einen Spalt öffnete, nutzte ich den Moment und drängte mich dazwischen. Ich wollte ihn schmecken. Ich musste ihn schmecken. Er war so... sinnlich.. so unglaublich sinnlich und süß.. jedes Mal traf es mich aufs Neue wie ein Schlag, wenn ich ihn schmeckte und seinen Duft tief inhalierte.
Edwards Hand fuhr zu meinem Nacken und zog mich immer enger an sich. Immer weiter. Seine Zunge spielte mit der meinen und erforschte meinen Mund genauso ,wie ich den seinen. Edward beugte sich leicht nach vorne und schob seinen Sitz ein wenig zurück. Ohne, dass unsere Lippen sich trennten. Er küsste mich wie ein Ertrinkender. Als müsste er so schnell es geht, so viel wie nur möglich von mir in sich aufsaugen.
Seine Hände wanderten von meinem Kopf über meine Arme und schließlich zog er mich an meinen Hüften zu sich. Bereitwillig löste ich meinen Mund von dem seinen und sah ihm tief in seinen funkelnden Smaragd-Augen, als ich auf seinen Schoß kletterte.
Er betrachtete mich einen Moment länger als nötig, ehe er seine beiden Hände wieder an mein Gesicht legte und mich zu sich zog. Seine Lippen krachten leidenschaftlich auf die meinen. Fieberhaft gierten wir nacheinander. Sogen tief den Geruch ein und erforschten unsere Münder. Ich konnte nicht genug von diesem Mann bekommen. Definitiv nicht.
Es war heiß hier. Nicht nur, weil vorher die Heizung gelaufen war, sondern auch, weil DAS hier... einfach... heiß war. Ich liebte es zu knutschen. Es machte so viel Spaß und es gab nicht viele Menschen, mit denen man von Anfang an harmonierte beim Küssen, aber bei Edward und mir funktionierte es fantastisch.
Himmel, was taten wir hier? Ich hatte keine Ahnung, keine verdammte Ahnung. Es fühlte sich einfach nur so gut an.
Seit ich mich erinnern konnte, hatte mich noch niemand so geküsst, wie Edward es tat. Bei niemandem fühlte es sich so an. So leidenschaftlich so … perfekt. Das hier, das war Perfektion.
Ich war wirklich eine Träumerin, das stimmte … aber trotzdem versuchte ich mir immer wieder vor Augen zu führen, dass ich mich auf keinen, keinen, keinen Fall verlieben durfte. Nicht in ihn.
Ich meine, sich verlieben … das ging sehr schnell. Sehr, sehr schnell. In meinen Ex hatte ich mich nach dem zweiten Date schon verschossen. Und … ich wollte es diesmal richtig machen.
Nun gut, dass ich mich gerade hemmungslos auf jemandes Schoß rieb, der mich ganz offensichtlich verabscheute – in jeder anderen Hinsicht zumindest – war vielleicht alles andere als richtig.
Aber vielleicht sollte ich auch einfach aufhören, nachzudenken.
Edwards Hände fuhren von meinen Hüften zu meinem Hintern und er drückte mich seinem Becken entgegen. Ein Stöhnen entfuhr mir, als ich spürte, dass er bereits erregt war.
Himmel, eigentlich hatte ich, was Sex anging, noch gar nicht so viele Erfahrungen gemacht. Natürlich hatte ich mit meinem Ex-Freund geschlafen … und natürlich hatte ich auch davor einen Freund gehabt, aber die beiden waren es auch schon gewesen. Ich hatte mal gehört, dass es nicht drauf ankam, wie OFT man es mit einer Person trieb, sondern mit wie vielen verschiedenen man es machte. Immerhin hatte jeder seine eigenen Erfahrungen, die er mit ins Bett bringen konnte … und jeder hatte andere Vorlieben … und …. STOPP. Warum dachte ich gerade über Sex nach?! Abgesehen davon, dass ich mit dem heißesten Kerl ever in seinem heißesten Auto ever knutschte, natürlich.
Ich hatte nicht vor gehabt, es hier mit ihm zu treiben.
«Ich..», murmelte ich gegen seine Lippen und stemmte meine Hände gegen seine Brust, um ein Stück zurückzuweichen. Edward öffnete schwer atmend seine Augenlider und blickte mich mit einem Funkeln darin an, das mich hart schlucken ließ. «Edward, ich ..» Meine Finger fuhren über den Kragen seines Hemdes, hinauf an die Seiten seines Halses. Edward seufzte zufrieden, als ich ihm leicht über die weiche Haut dort strich.
«Ich weiß nicht, ob...» Wie immer, wenn ich nervös war, zog ich meine Unterlippe zwischen die Zähne, und begann darauf zu kauen.
Edwards Hand schnellte nach oben und er legte seine warmen, weichen Finger an meine Wange. Sein Daumen strich über meine Unterlippe und automatisch sprang die volle, kirschrote Lippe hervor.
«Sch....Schhh...», murmelte er und sah mir tief in die Augen. Ich hatte kurzzeitig das Gefühl, als würde ich darin ertrinken. Als würde ich ihm bis in den letzten Winkel seines Körpers sehen können.
Ich rutschte leicht zurück und legte meinen Kopf schief, als mich sein Zischen aufschreckte.
«Bella... Baby... beweg dich nicht so...», flüsterte er und ein leichtes Grinsen schlich sich auf meine Lippen. Gespielt unschuldig riss ich die Augen auf und rutschte wieder leicht nach vorne.
«Was genau meinst du?», fragte ich nach und ließ ganz leicht und minimal meine Hüften kreisen. «Meinst du DAS?»
Edward schloss die Augen und legte den Kopf zurück. Seine Hand lag nach wie vor an meiner Wange, augenblicklich, ließ er diese ein Stück weiter hinab, in meinen Nacken wandern und zog mich zu sich.
«Komm her...», flüsterte er heiser und meine Lippen krachten wieder auf seine. Er biss mir in die Unterlippe, spielte kurz daran und strich dann lindernd mit seiner Zunge darüber. Meine Hände wanderten in seine Haare, krallten sich darin fest.
Ich schluckte, angesichts der Tatsache, dass ich mir noch eben dachte, ich wollte es nicht mit ihm im Auto treiben, mich aber weiterhin an ihm rieb. Das war widersprüchlich, also versuchte ich es erneut.
Abgehackt atmend, entfernte ich meine Lippen von seinen und blickte ihn so ernst ich konnte an. Edward seufzte tief, ehe auch er mich nun ansah.
«Was ist los?», wollte er wissen.
«Nun, ich ...», begann ich abermals und stockte dann wieder.
«Was denn, Bella?» Er nahm eine meiner Haarsträhnen zwischen die Finger und spielte damit. Sein Blick senkte sich auf die Haarspitze, ehe er ihn langsam wieder hob. Ich zog eine Braue in die Höhe.
«Warte mal … bist du noch Jungfrau?!», riss er dann plötzlich die Augen auf.
Ich starrte ihn einen Moment an. Himmel, was hatte er gerade gefragt? Ich fing zu kichern an und Edward riss die Augen auf. Er schien gar nicht zu verstehen, was ich hier durchmachte.
Nun gut, durchmachen im Sinne von ausstehen. Ich wollte ihn auch. Irgendwie. Verflucht, wenn seine Küsse schon so waren, wie war dann wohl erst der Sex mit ihm?
Wenn man auf die ganzen Tussis, die mit ihm ins Bett stiegen, wert legte - nun ja eher auf ihr Geschrei- war er wohl nicht übel.
Es scheiterte daran, dass ich nicht wirklich wusste, woran ich war und dass Autosex wohl irgendwie nicht mein Ding war.
«Edward Cullen denkt also, ich wäre noch Jungfrau, huh?», grinste ich ihn an, als mein Kichern unter Kontrolle war.
«Nun ja...», fing er an und fuhr sich durch sein Haar. Seine Strähnen wickelten sich so sexy um seine schlanken Finger, dass sich selbst mein Grinsen aus dem Gesicht wischte. Er lächelte mich schief und irgendwie... lasziv an... wie am Freitag. Einen Moment, war er der - wie Rose es nennen würde- alte Edward.
«Nein Edward, ich bin keine Jungfrau mehr. Wie kommst du darauf?», fragte ich ihn und kam nicht umhin, meinen Blick seinen Fingern folgen zu lassen, die an seinem Hals lagen und immer wieder leicht darüber kneteten.
Er sah aus, als wäre es ihm peinlich mich das gefragt zu haben.
«Nun ... also ... Hölle ..» Er schloss kurz die Augen und seufzte tief. «Bisher haben sich nur die Jungfrauen anfänglich so bei mir gesträubt...deswegen..»
Ich spürte, wie mein Gesicht in sich zusammenfiel. Gesträubt? Was? Merkte er denn nicht, dass ich wie scheiß Butter in der scheiß Sonne war, wenn er mich küsste?
«Sträuben? Du nennst das sträuben?» Ruhig lehnte ich mich zurück, bis ich das Lenkrad in meinem Rücken spürte.
Edward hob seine Hand und legte sie auf meinem Schlüsselbein ab. Seine Augen folgten den Bewegungen seiner Finger.
«Ich denke..», murmelte er und strich mit seinem Zeigefinger langsam in meinen Ausschnitt. Dabei leckte er sich die vollen Lippen. «Ich denke einfach, dass du verdammt heiß auf mich bist, aber...» Er hob den Blick und sah mir in die Augen «Du bist unsicher, Bella.»
Wie konnte ein Mensch solche Augen haben, fragte ich mich und legte meinen Kopf schief. Sie sahen aus, wie ein Teich. Ein tiefer, tiefer dunkler Teich... von leichten Grüntönen durchzogen. Sie waren zart gesprenkelt, als würde sich das Schliff, das am Rand wuchs, auf der grünen, algigen Oberfläche spiegeln.
Ich seufzte tief. «Darf ich dich erinnern, dass DU begonnen hast mich zu küssen, Edward? Wer ist also jetzt hier heiß auf wen?», murmelte ich und ließ seinen Blick nicht los. Ich konnte nicht.
Ich spürte, wie sich eine leichte Gänsehaut über meinen kompletten Körper zog.
«Ich wusste es», murmelte er und schob mich plötzlich von seinem Schoß, zurück auf den Beifahrersitz. Er rückte seinen Sitz wieder richtig und richtete sein Hemd.
«Ich wusste, dass das hier-», er nickte träge mit dem Kopf in meine Richtung, «-keine gute Idee war.»
WAS? Moment mal, noch einmal für mich im Schnelldurchlauf. ER bot mir an, mich zur Uni zu fahren und ließ unmissverständlich durchscheinen, dass ich nicht ablehnen sollte. ER hatte begonnen, mich zu küssen. ER hatte mich auf seinen Schoß gezogen... und jetzt sagte er ,es wäre keine gute Idee, weil ich nicht sofort mit ihm vögelte? WAS.WAR.DAS.FÜR.EINE.VERDREHTE.WAHRNEHMUNG?
«Moment mal, du sagst mir hier, dass das keine gute Idee war, weil...?» Meine Stimme klang schroffer als beabsichtigt, aber ich konnte es nicht aus der Tonlage nehmen. Es ging nicht. MIR ging es nicht nur darum, dass wir schnellen, harten Sex im Auto hatten.
«Weil du dich kindisch verhältst. Und damit meine ich nicht, dass wir hier keinen Sex haben, das ist völlig okay für mich. Es geht mir lediglich darum, dass du ständig diskutieren musst .. und du ... du bist unreif, Bella.» Mit einem Kopfschütteln griff er nach seiner Tasche und umfasste mit der anderen Hand seine Türklinke. Ohne sich zu mir umzudrehen, redete er weiter «Würdest du aussteigen? Wir kommen zu spät.»
Ich starrte ihm dumm - wirklich dumm -und mit offenem Mund hinterher, als er ausstieg. Er klimperte mit dem Schlüssel in seiner Hand und ich griff ebenfalls nach meiner Tasche, um auszusteigen.
Der war doch nicht ganz Dicht.
Geräuschvoll schmiss ich die Türe in ihre Angeln und hörte gerade noch, wie er mir hinterher rief, dass sein Auto kein Panzer wäre und ich vielleicht mit meinem Zeug so umgehen könnte, aber nicht mit seinem. Ich schnaubte und ging weiter. Ignorierte die Blicke der Mitstudenten. Natürlich, auch wenn Edward weiter hinten als sonst geparkt hatte, es entging niemandem, dass wir aus einem Auto gestiegen waren und es entging niemandem, dass er mir so einen Mist hinterher rief. Ich kreuzte meine Arme vor der Brust und lief zielstrebig in das Gebäude.
Na warte, das nächste mal wenn DU dich nicht zügeln kannst und mich küssen willst, dann wirst du ins Leere schmatzen, Edward Cullen.
*
Zusammen zuckend, zog ich meine Bettdecke weiter über meinen Kopf.
Heftig prasselten die dicken Regentropfen gegen mein Fenster und der Donner wollte einfach nicht abnehmen. Die lautlosen Blitze am Himmel blieben mir dank der Dunkelheit unter meiner Daunendecke zum Glück verwehrt.
Es war mittlerweile Montagnacht. Und es gewitterte, hagelte, regnete … so heftig, dass ich mir wirklich gleich in die Hose pinkeln würde.
Ich hatte schon immer Angst vor Gewitter gehabt. Früher, als ich noch ein Kind war, hatte ich mich bei Unwetter immer zu meinen Eltern ins Schlafzimmer geschlichen.
Meine Mutter mochte es nicht, wenn ich bei meinen Eltern im Ehebett schlief, weil sie der Meinung war, dass ich lernen musste, alleine zu schlafen. Aber mein Vater ließ mich immer rein.
Also wartete ich immer, bis ich der Meinung war, dass meine Mum schlief und schlich dann ins Schlafzimmer. Immer wenn ich reinkam, hielt Charlie bereits die Bettdecke hoch, sodass ich ungestört drunter krabbeln konnte.
Im Morgengrauen, wenn der Wecker meiner Mutter zum ersten Mal klingelte – das tat er für gewöhnlich viermal an einem Morgen, bis sie aufstand – stand ich dann immer auf und schlich zurück zu meinem Ende des Flures.
Es hört sich dumm an, aber diese Kleinigkeit hatte ich tatsächlich beibehalten, bis ich fünfzehn Jahre alt war.
Ein ekelhaftes Gefühl, das sich sehr nach Heimweh anfühlte, machte sich in meinem Bauch breit und ein Kloß bildete sich in meinem Hals.
Ich war das erste Mal alleine … wirklich alleine weg. Bisher hatten meine Eltern mir immer zur Seite gestanden, sie waren immer in greifbarer Nähe gewesen und auch, wenn sie jetzt nicht so weit weg wohnten, fühlte ich mich … einsam. Das neue College, die vielen neuen Menschen … New York … eine Riesenstadt. Ein kleines Mädchen.
Zwar, war ich immer sehr selbstständig gewesen, aber … ich vermisste es. Ich vermisste den Kaffee, wie nur meine Mutter ihn kochen konnte. Ich vermisste das Feuer, das Charlie abends im Kamin entzündete.
Ich vermisste das Pfeifen und Trällern meiner Mutter, wenn sie aufräumte und das Schimpfen, weil sie gerade erst Wäsche gewaschen hatte und ich wieder Dreckwäsche in den Korb schmiss. Ich vermisste den Geruch von ihrer ganz speziellen Lasagne oder ihrem selbst gemachten Spinat. Ich vermisste es, dass sie mir wenn ich meine Hausaufgaben erledigte, einfach so eine Tasse Kakao ins Zimmer brachte – mit extra viel Sahne.
Und ich vermisste es, wie mein Vater sich immer verkroch, wenn meine Mutter und ich ihn ärgerten.
Ich vermisste sie. Beide. Ich vermisste mein zu Hause.
«Reiß dich zusammen, du Weichei», murmelte ich unter meiner Decke und urplötzlich erhellte ein Blitz mein Zimmer. So hell, dass ich ihn sogar unter der Decke sehen konnte, als wäre nichts zwischen mir und der Welt da draußen. Ich holte betont tief Luft und zählte leise.
«1... 2...3...4...» und plötzlich grollte ein Donner über unser Haus hinweg. Das Gewitter war jetzt ziemlich nah und ich war mir sicher, dass es nicht schnell weiterziehen würde, nein, Gott würde seinen ganzen Zorn auf uns entladen, schon alleine deshalb weil ich diese Zeus Laune so sehr hasste. Ich zuckte zusammen und spürte wie ich einen Krampf in meinem Nacken bekam, da ich den Kopf so einzog. Die kleinen Härrchen waren an meinen Schläfen schon feucht weil ich vor lauter Angst zu zittern anfing und ich kurz vor einem dieser kalten Schweißausbrüche stand.
«Wer hat dich verärgert Zeus?», stieß ich mit zittriger Stimme leise hervor. Wie als Antwort auf meine Frage, dröhnte der nächste Donner vor meinem Fenster. Er war so laut, als würde er unser Wohnhaus in zwei Hälften spalten. Zittrig wickelte ich die Decke um meinen Körper. Okay. Ich musste hier raus. Irgendwohin, wo Menschen waren. Ich konnte jetzt nicht alleine sein. Ich würde durchdrehen.
Jasper … ich könnte sicherlich zu ihm … zumindest solange, bis das Gewitter aufhörte.
«Okay», flüsterte ich mir selbst zu, «Okay … du musst einfach nur aus dieser Tür raus. Okay … du schaffst das...» Ich schluckte hart und schlug dann ganz langsam die Bettdecke zurück. Meine Augen hielt ich geschlossen und tastete dann langsam nach meiner Nachttischlampe. Als ich den Schalter fand, musste ich jedoch feststellen, dass durch das Unwetter auch der Strom ausgefallen war.
Der laute Hagel krachte gegen meine Fensterscheibe und ganz langsam stand ich auf.
Mein Atem kam bloß noch abgehackt, als ich vorsichtig einen nackten Fuß vor den anderen setzte und mich an Wänden, Stühlen und Tischen in Richtung Tür tastete.
Genau in dem Moment, als ich das kühle Holz unter meiner Handfläche spürte, donnerte es erneut laut und mit einem leisen Aufschrei, riss ich die Tür auf und lief zu Jaspers.
Mein Atem ging schwer und ich riss, ohne zu klopfen, seine Schlafzimmertüre auf.
«Jazz?!», rief ich leicht panisch in die Dunkelheit, «Jazz!»
Niemand antwortete und als mein Blick sich langsam schärfte und ich das leere, unordentliche Bett sah, war mir klar, dass er wohl drüben bei Alice sein musste.
«Scheiße», zischte ich und schloss die Türe hinter mir, als ich sein Zimmer verließ. Dann tastete ich mich langsam die Wand entlang und schluckte schwer, als ich Edwards Türe erreichte.
Er schlief nachts sowieso nie … oder so gut wie nie. Andererseits hatte ich seit heute Morgen – nach dieser Kuss-Aktion im Auto – kaum ein Wort mit ihm gewechselt.
Ich wog abschätzend den Kopf hin und her und wollte es schon lassen, als ein Blitz das ganze Apartment erhellte und mich heftig zusammen zucken ließ.
Ganz von alleine klopfte meine geballte Faust gegen Edwards weiße Holztüre.
Es dauerte keine zehn Sekunden, bis die Türe einen Spalt geöffnet wurde. Ich konnte durch den klitzekleinen Türschlitz sehen, dass er Kerzen angemacht hatte. Viele Kerzen wohl, denn es war fast so hell, als würde eine Lampe an sein. Ich zitterte leicht und Edward hob eine Braue.
«Was willst du Bella?», fragte er rau und hustete leise. Gott, wurde er krank? Hatte er sich erkältet?!
DAS KANN DIR EGAL SEIN, schrie ich mich selbst an. Er hatte mich so mies behandelt und ich war gerade kurz davor, auf dem Absatz umzudrehen und in mein Zimmer zurückzugehen.
Sein Blick - diese Kälte- seine Augen - dieses Funkeln-.....
«Bella? Was willst du?», fragte er eindringlicher nach.
In diesem Moment zuckte erneut ein heller Blitz am Himmel und keine Sekunde später, hörte man einen ohrenbetäubenden Laut.
«Der Blitz... der Donner... es hat sicherlich wo eingeschlagen, Edward...», sagte ich mit leicht nervöser Stimme. Himmel, falls jemand Hilfe brauchen würde, ich könnte nicht einmal helfen. Ich war absolut bewegungsunfähig, wenn ein Gewitter - und auch noch von dieser Stärke- draußen tobte.
«Ähhh Ja, und?», fragte er und seufzte genervt.
«Kann ich... kann ich.. einen Moment ... kurz in dein Zimmer?», fragte ich leise nach und ich konnte fast meine eigene Stimme nicht hören, so laut peitschte der Regen und der Hagel gegen das Fenster.
Gespenstisch warf sich mein eigener Schatten an die Wand, als einige kurze Blitzen nacheinander am Himmel zuckten.
«Hast du etwa Angst?», wollte er wissen und schmunzelte dabei leicht. Was fiel diesem Mistkerl ein, sich JETZT über mich lustig zu machen?!
«Nein Edward», schnaubte ich, «Nein, weißt du, ich hab Spaß daran, meinem Stolz in den Arsch zu treten und TROTZ deinem Verhalten heute Mittag, hier zu stehen und dich anzubetteln, dass ich rein kann!» Gott sei Dank, war mein Sarkasmus noch da.
«Ach», meinte er und zog eine Braue in die Höhe, «MEINEM Verhalten, huh? Komm Isabella, wärst DU nicht so ne Kratzbürste … Hippie-Gruftie-whatever-Tante und reifer im Kopf ...»
«Halt die Klappe!», unterbrach ich ihn wütend. «Du kannst mich mal, Edward Cullen!»
«Ja wie auch immer», rollte er die Augen und knallte mir die Türe vor der Nase zu.
«Oh du Arschloch», schrie ich durch die geschlossene Tür. «Ich werd mir ne verfickte VOODOO-PUPPE besorgen!»
Edward erwiderte natürlich nichts und am liebsten hätte ich gegen seine Türe geboxt oder getreten, hätte ich nicht gewusst, dass ich mich dabei selbst verletzen würde.
Durch meine – wieder eingetroffene – Wut auf ihn, hatte ich kurzzeitig sogar das Unwetter vergessen. Solange, bis es erneut laut donnerte und ein heftiger Blitz durch den schwarzen Himmel schnitt und die dunkle Wohnung erneut erhellte. Ein Schrei entfuhr mir, den ich mit meiner eigenen Hand, welche sofort zu meinem Mund nach oben schoss, gedämpft wurde.
Wie von der Tarantel gestochen, fuhr ich herum und stürzte zurück in mein Zimmer.
Mit nur zwei großen Sprüngen, befand ich mich auf meinem Bett und kuschelte mich schnell wieder unter die Decke.
Es war nicht das Gewitter an sich, welches mir Angst machte. Nein, es war viel mehr das Wissen, was so ein einfaches Unwetter alles anrichten konnte.
Ich erzitterte bei dem Gedanken kurz und schob nun auch meinen Kopf unter die dicke Decke.
Ich brauchte in solchen Situationen einfach jemanden, der mich ablenkte. Aber Himmel, mir hätte klar sein müssen, dass Edward das nicht tun würde.
Er war ein Egoist. Jemand, der nur an sich dachte. Jemand, der dir nur DANN was Gutes tat, wenn für ihn selbst was drin war.
Ein leises Schnauben entfuhr mir und ich rollte mich zu einem Ball zusammen.
Immer noch hatte ich keine Antwort auf meine Frage, was genau das mit uns war. Immer noch wusste ich nicht, was ich mit mir anfangen sollte, wenn er in der Nähe war.
Warum hatte ich mir überhaupt erhofft, er würde mich in sein Zimmer lassen...?! Im Nachhinein klang das so absurd. Warum sollte er?!
Vielleicht,murmelte ein Stimmchen in meinem Kopf, vielleicht, weil du dir erhofft hast, dass er jetzt anders zu dir ist. Jetzt, seitdem ihr beiden … was auch immer miteinander habt.
Ja, vielleicht. Vielleicht war da wirklich ein kleiner, unaufhaltsamer Funken an Hoffnung gewesen, welche mich für ein paar Minuten, Stunden, oder auch Tage glauben lassen hatte, dass er im Grunde genommen gar nicht so schlimm war. Aber vielleicht würde er auch immer so bleiben. Zumindest zu mir. So war das eben bei manchen Menschen.
Und auch, wenn ich nicht wusste, was genau Edward gegen mich hatte … ich war mir sicher, dass er die Anziehung zwischen uns, seit dem Kuss ebenfalls spürte. Die Anziehung, die ich mir besser verbieten sollte.
Ich konnte es mir nicht erlauben … ich wollte nicht, dass mir weh getan wurde. Nicht von ihm. Ich wollte meinen Märchenprinzen finden … und nicht auf die dunkle Seite gezogen werden …
Wieder donnerte es laut und der Hagel verstärkte sich.
Ich zog meine Beine so weit an, dass ich meine Knie beinahe unter meinem Kinn spürte und wippte mich vor und zurück. Rief mir vor Augen, wie es war, als mein Daddy das immer tat. Wenn er einen Arm um mich schlang und mich solange hin und her wog, bis ich das Gewitter irgendwann gar nicht mehr bemerkte. Es gelang mir nicht. Ich fühlte mich einfach nicht zu Hause … nicht angekommen. Und ich wollte endlich ankommen.
Ich meine klar, New York war großartig … meine Freunde waren toll, aber … es war einfach nicht dasselbe.
Ich fühlte mich verloren … untergegangen …
Da ich völlig in Gedanken versunken und konzentriert darauf gewesen war, das Gewitter zu ignorieren, entfuhr mir ein lauter Schrei, als die Matratze sich neben mir plötzlich senkte.
Erschrocken fuhr ich herum und blickte dann auf einmal in Edwards Gesicht.
Er hatte sich gerade seitlich neben mir im Bett positioniert. Die Decke hatte er bloß bis zu den Hüften über gezogen und ich konnte seine nackte Brust in dem dunklen, leicht erhellten Zimmer deutlich vor mir ausmachen.
Langsam, ohne eine einzige Erklärung, ohne ein einziges Wort, drehte er sich auf den Rücken und starrte meine Zimmerdecke an. Die Arme verschränkte er hinter dem Kopf.
«Was machst du hier?», flüsterte ich leicht perplex und ließ mich langsam wieder auf meiner Seite nieder, sodass ich ihn weiterhin ansehen konnte.
Edward sah mich nicht an, als er sprach. «Ich weiß es nicht», wisperte er zurück.
Es war einen Moment ruhig und ich rückte unauffällig näher an ihn heran. Unweigerlich drang sein verführerischer Duft zu mir herüber und meine Lider fielen zu, als ich ihn genüsslich einsog.
Durch einen weiteren Donnergroll am Himmel, riss ich die Lider wieder aus, nur um sie dann wieder zusammenzukneifen und immer wieder betont ruhig ein und auszuatmen. Himmel Herrgott, es war doch nur Gewitter...!!
«Wovor hast du Angst, Bella?», hörte ich seine Stimme plötzlich ganz dicht neben meinem Ohr sagen. Schwer schluckend öffnete ich die Lider wieder, nur um direkt in seine Augen zu sehen. Er hatte sich wieder seitlich positioniert und starrte mich fragend an.
«Kannst du mich ablenken?», stellte ich die Gegenfrage. Edward runzelte leicht seine Stirn, ehe er leicht nickte und sich wieder auf de Rücken rollte.
«Erzähl mir was», sagte er, «Erzähl mir was von dir, das noch niemand weiß.»
«Du willst, dass ich dir was erzähle, das niemand weiß?», hakte ich nach und rückte erneut näher an ihn. Langsam, beinahe in Zeitlupe, hob ich meinen Kopf und ließ ihn dann vorsichtig auf seine Brust sinken.
Edward stockte kurz und hielt den Atem an … es dauerte eine Weile, ehe er sich entspannte und mir zaghaft den Arm um die Taille schlang. Ein merkwürdiges Gefühl durchströmte mich. Kein kribbeln oder so was... es war anders.
«Ja», meinte er, «Tu es.»
«Erzählst du mir dann auch was von dir?», wollte ich leise wissen. Einen Moment war es ganz leise und ich weiß nicht, ob er sich der Tatsache, dass er begann mit meinem Haar zu spielen, eigentlich bewusst war.
«Nein, vermutlich nicht», erwiderte er gedankenverloren.
Vermutlich war es einfach nur die Tatsache, dass ich wach bleiben und so friedlich hier mit ihm liegen wollte … oder aber auch, die nicht stoppen wollenden Blitze und Donnergröle, die über den Himmel zuckten, dass ich einfach zu reden begann ….
….
«Meine Barbies hatten früher alle schwarze Haare. Ich hab Life sucks auf meinen Ranzen geschrieben, weil ich damit einmalig war. Mit 14 hab ich das Britney Spears Poster meiner Cousine mit einem Marilyn Manson Poster überklebt. Dafür hat sie mir Aufhellpulver ins Shampoo getan. Also ich hatte schon mal blonde Haare... blond-orange gefleckt. Mit 15 hab ich einem Jungen die Nase gebrochen, weil er mir an den Arsch gegrabscht hat. ich hab mir immer die Typen ausgesucht, die es nicht ernst mit mir meinten. Aber Scott, de Jungen aus der Nachbarklasse, der wirklich was für mich übrig hatte ... nun, den hab ich nie beachtet .. zumindest nicht SO.
Ich hab die Räder von Liza Skateboard - meiner blonden Nachbarin - manipuliert, weil sie mich vom Fahrrad geschubst hat. Mit 16 war ich jedes Wochenende auf Party und hab mir mit den anderen die Birne zugedröhnt, weil es cool war.»
«Du hast gekifft?», fragte er nicht wirklich erstaunt nach.
«Yeah, ab und zu ...», zuckte ich unbestimmt die Achseln und drehte einen Zipfel der Decke zwischen meinen Fingern hin und her. «Meine Eltern waren immer perfekt zu mir ... und haben meine wilde Phase so hingenommen. Sie haben mir vertraut. Immer.» Na gut … eine Zeit lang dachte Reneè, ich sei reif für die Klapse, aber das war nur eine kurze Zeit lang so ...
«Vermisst du es?», fragte er mich nun.
«Was?», hakte ich leicht irritiert nach. Was meinte er? Meine Kindheit? Dummheiten zu machen? Nein … aus dem Alter war ich raus ...
«Deine zu Hause», stellte er klar und ich stockte in meiner Bewegung.
«Ja», sagte ich und schluckte hart. Mein Körper presste sich Schutzsuchend näher an ihn, woraufhin der Druck seines Armes, der um mich lag, sich verstärkte. Welch Ironie, dachte ich mir, welch Ironie, dass ausgerechnet der Mensch, der mich verabscheute, mir Schutz spendete.
«Mein Zimmer war schwarz», flüsterte ich unvermittelt. Edward seufzte leise und ich spürte, wie er leicht den Kopf schüttelte.
«Normale Mädchen in dem Alter haben rosa zimmer oder so.»
«Ich war nie normal», antwortete ich ihm. Eine kurze Pause entstand, in der meine Hand wie von selbst leicht über seine Brust fuhr … meine Fingerspitzen sanft über seine Bauchmuskeln kratzten, welche unter meiner Berührung zuckten.
«Ich auch nicht», sagte Edward dann immer noch tief in Gedanken versunken.
«Ja, ich weiß», flüsterte ich und spitzte die Lippen, um ihn leicht am Hals zu küssen. Was war das hier?
Suchte ich nach etwas? Suchte ich vielleicht krampfhaft – egal bei wem – nach Liebe? Danach, geliebt zu werden? Mich zu Hause zu fühlen? Wenn ja, dann … fand ich es nicht. Bisher nicht.
«Wir sind komisch ...», murmelte ich zusammenhanglos.
«Ja, ich weiß», wiederholte Edward meine Worte und wir schwiegen dann einen Moment.
«Was noch?», fragte er eine Weile später.
«Nun...», meinte ich und runzelte meine Stirn ein wenig, «Ich liebe Kaugummi kauen und wollte im Freibad den kleinen Mädchen die Haare abschneiden, weil sie sich so geziemt hatten, dass die nassen Haare an ihren Rücken kleben.»
Edward gluckste leise, «Bei dir könnte ich mir sogar vorstellen, dass du ihren Puppen die Köpfe abgerissen hast. Du Satansbraut.» Ich rollte die Augen und fuhr unbeirrt mit meiner Erzählung fort.
«Ich habe eine Wäscheleine komplett durch mein Zimmer gespannt, meine Kuscheltiere daran aufgehängt und Stifte durch ihren Hals gesteckt, ich wollte damit zeigen, dass ich erwachsen werde und keine Kuscheltiere mehr brauche.» Jetzt musste auch ich ein bisschen lachen, denn wenn ich daran dachte, was für verdrehte Dinge ich führe getan hatte … nun eigentlich konnte man nicht mehr, als darüber zu lachen. So wie Charlie es immer tat, während meine Mum der festen Überzeugung war, dass ich eine Therapie benötigte …
«Und ich habe mit dem Nachbarsjungen Robby in seinem Garten einen WWF Ring aufgebaut und ich schwöre, wäre ich Hulk Hogan gewesen, DANN hätte ich gewonnen … Ach ja, ich habe mir dreimal den Arm bei unseren Wrestling- Aktionen gebrochen. Dummerweise immer den linken und ich bin Rechtshänder.»
«Du hast deine Eltern ganz Sicher alle Nerven gekostet», murmelte er in sich hinein.
«Nein, es war eigentlich immer sehr amüsant bei uns zu Hause.» Ich gluckste und schüttelte dabei leicht den Kopf.
«Was noch?», fragte er eindringlich und ich seufzte, dachte nach, bis mir noch etwas einfiel.
«Ich hab in der Junior - High Sarahs Ranzen unten aufgeschnitten und vorher hab ich Pornos, die ich bei meinem Dad in der Garage gefunden hab, reingestopft. Mitten im Gang in der Schule ist ihr alles rausgefallen.»
«Warum tust du so was..?», fragte er mich leicht perplex.
«Weil ich komisch bin.» Ich stockte kurz und lachte dann «In Taylors Spind hat man Vodka gefunden.»
«Lass mich raten : Du hast ihn reingetan?»
«Nein, Michelle war es. Aber ich hab sie angestiftet», lachte ich weiter.
«Warum?», wollte er amüsiert wissen.
«Weil Taylor uns in der Mädchenkabine durch ein Loch in der Wand beim Duschen zugeguckt hat.»
Wir waren erneut beide einen kurzen Moment lang ruhig und ich hob leicht meinen Kopf an, sodass mein Kinn auf seiner Brust ruhte und ich zu ihm aufschauen konnte.
Edward hatte so unglaublich tolle Gesichtszüge … ich hätte alles dafür gegeben, ihn einmal zu zeichnen …
«Und?», flüsterte ich und rutschte ein wenig weiter nach oben «Erzählst du mir was? Ein wenig? Irgendwas von deinem geheimnisvollen, mysteriösen Leben, Edward Cullen?»
Nun schwebte mein Gesicht direkt über seinem und wir sahen uns einen Moment lang in die Augen.
Es war sehr seltsam. Seit der Party letzte Woche, war da gar nicht mehr die gewohnte Abneigung in seinem Blick … aber nur, wenn wir alleine waren. Wenn beispielsweise Jasper dabei war, war es etwas völlig anderes.
Dann waren seine Iriden immer kalt, hart und schneidend, wenn er mit mir sprach …
«Nun, ich liebe meine Mutter. und meine Schwester», hörte ich ihn dann plötzlich sagen. Meine Augen hefteten sich auf seine vollen, leicht befeuchteten Lippen und automatisch beugte ich den Kopf ein wenig mehr hinab.
«Was ist mit deinem Dad?», hauchte ich, wobei unsere Münder sich beinahe berührten. Edwards Hand fuhr nun an meinen Rücken, den er immer wieder mit den Fingerspitzen auf und ab strich.
«Na ja», wisperte er und hob den Kopf leicht, um mich einmal zu küssen. Meine Augen schlossen sich. «... ich MUSS ihn ja lieben, oder? Als Sohn hat man gar keine andere Wahl.»
Meine Lippen legten sich nun vollends auf die seinen und ich küsste ihn langsam. Ohne Zunge. Ohne Drang. Einfach nur so.
«Nein … Zwischen lieben und respektieren liegt ein gewaltiger Unterschied, Edward», bemerkte ich atemlos an seinen Lippen.
Er drückte mich leicht zurück, sodass ich wieder auf dem Rücken lag und küsste mich weiter, während er an meinen Lippen murmelte «Was mache wir hier eigentlich?»
«Ich hab keine Ahnung», hauchte ich zurück und schlang meine Arme um seinen Hals, «Lass uns nicht darüber reden oder nachdenken … sondern es einfach tun, okay?»
Edward platzierte seine Hand wieder an meiner Hüften und zog mich an sich. Meine Finger fuhren durch sein dichtes Haar und ein leises Seufzen verließ meinen Mund.
«Bella?», murmelte er und ließ von meinen Lippen ab, um mich anzuschauen «Es hat aufgehört zu gewittern. Ich kann jetzt gehen.»
«Nein!», schoss es viel zu schnell aus mir heraus und ich schloss die Augen. Enttäuschung durchflutete mich … ich wollte nicht, dass er ging. Nicht jetzt.
«Ich gehe nicht.» Er küsste mich wieder und ich musste unwillkürlich gegen seine Lippen lächeln.
«Warum hast du es dann überhaupt erwähnt?», hauchte ich und zog seine Unterlippe zwischen seine Zähne, welche er geschickt wieder befreite.
«Ich weiß es nicht.»
«Du bist komisch, Edward Cullen.»
«Du auch, Isabella Swan.»
Wir knutschten solange, bis meine Lippen beinahe weh taten und ich einfach einschlief.
*
Das war doch alles komisch.
Ich meine, konnte es angehen, dass man sich öffentlich ununterbrochen mit jemandem ankeifte un sich privat so wohl und geborgen mit ihm an seiner Seite fühlte?
Letzte Nacht hatte ich von Edward geträumt, was vermutlich daran lag, dass er die ganze Nacht neben mir gelegen hatte.
Als ich heute Morgen allerdings erwachte, war er schon weg. An seiner Stelle, lag ein Zettel auf dem zweiten Kissen in meinem Bett.
Darauf hatte gestanden ; Musste rüber, sorry Sweetheart, aber Jazz kam Heim. Bis nachher.
Und wisst ihr, wie meine Reaktion auf das Wort
Nun .. DAS machte mir Angst, denn ich war keine Ich-find-alles-so-toll-Quieker-Tussi … so was tat ich nur, wenn … wenn etwas richtig, richtig, richtig, richtig, obermegasuper toll war.
Der Tag war wie folgt verlaufen : Edward und ich hatten beide vor der Badezimmertüre darauf gewartet, dass Jasper fertig wurde, da er ja von Alice kam.
Wir hatten nebeneinander gestanden und ich hatte zufällig seinen Arm gestreift … daraufhin hatte er mich an die Wand gedrückt und beinahe bewusstlos geküsst.
Als wir hörten, wie die Dusche abgestellt wurde, fuhren wir auseinander und Jasper trat mit einem «Prügelt euch darum,wer als erster rein darf», hinaus.
«Geh du, Edward», hatte ich angeboten.
«Nein, ich kann warten», war Edwards Antwort gewesen.
«Was zur Hölle..?!», hatte Jasper gemurmelt.
Später, am Frühstückstisch, hatte Edward wieder seine Financial Times gelesen und ich hatte meine Hausarbeit über Piccasso fertig geschrieben-
Da wir beide nicht hinsahen, aber hören konnten, dass die Toasts aus dem Toaster sprangen, hatten wir zur selben zeit danach gegriffen und unsere Hände sofort zurückgezogen.
«Mach nur», hatte Edward gemurmelt.
«Nein, nein, nimm ruhig» Jasper hatte uns angesehen, als hätte ich ihm offenbart, dass ich in meiner Freizeit tatsächlich als Prostituierte arbeiten würde und Edward mein Zuhälter wäre.
So hatte sich der ganze Tag in die Länge gezogen.
Jedes Mal, wenn wir uns über den Weg liefen, bemühten wir uns darum, Abstand zueinander zu halten, denn Himmel, es knisterte irgendwie … und das erschreckte mich wie die Hölle.
Heute war Dienstagabend. Edward war nicht hier.
Nun machte ich mir -noch- erschreckender Weise Gedanken darüber, wo er war.
Gedanken darüber, ob er wohl bei einer anderen war? Oder hatte er vielleicht nur eine Schicht in der Bibliothek? Theoretisch gesehen, könnte ich ja ganz zufällig mal dorthin fahren .. mit der U-Bahn …
Ja, und dann? Ich war bescheuert. Hoffnungslos verloren. Dumm. Naiv.
Egal … WO zum Teufel war er nur?!
«Bella! Ich rede mit dir», riss mich die helle Stimme von Alice aus den Gedanken.
«Was?» mein Blick hob sich von meiner Zeichnung, welche auf meinen angewinkelten Schenkeln lag und ich sah in das Gesicht meiner zierlichen Freundin, die mir gegenüber auf dem Sofa saß und die Beine momentan zu einem Schneidersitz angezogen hatte.
Sie waren alle hier. Emmett saß neben mir, neben ihm Rosalie. Auf dem Sessel zu meiner Linken Jasper und gegenüber von mir, wie erwähnt, Alice.
«Prinzessin ich frag dich, was du da so konzentriert zeichnest», lächelte mich die Schwarzhaarige an.
«Mh?», machte ich und schüttelte leicht den Kopf «Was ich zeichne?»
Ich sah langsam hinunter, auf den Block, auf dem ich tatsächlich die Umrisse eines Gesichts skizziert hatte. Edwards Gesicht.
Ich schnappte erschrocken – aufgrund der Tatsache, dass ich nicht mal merkte, wie sehr er mein Denken einnahm – die Seite um, und schüttelte leicht den Kopf.
«Nichts … hab nur … gekritzelt.»
«Red doch nicht», rollte Emmett neben mir die Augen nachdem er versucht hatte, einen Blick auf den Block zu erhaschen. Ich gab ihm einen Stoß mit dem Ellbogen in die Rippen. Er zischte und fluchte dann.
«Verheimlichst du uns was, Bella?», wollte Rosalie grinsend wissen, als sie sich leicht vorbeugte, um mich kritisch zu beäugen.
«Nein..?!», erwiderte ich etwas zu hektisch. Womöglich wäre es nicht einmal aufgefallen, dass ich zu schnell geantwortet hatte, aber dass meine Aussage eher wie eine Frage klang, ließ sie wohl aufhorchen.
Na ja... es sollte geheim bleiben. Nicht nur von Edward aus, sondern auch von mir. Ich wollte nicht, dass mir da jemand reinredete und womöglich voreilige Schlüsse zog oder mich gar verurteilte. Solange ich selbst nicht einmal genau wusste, was das... war, war es wohl besser so. Zumindest war das meine Erklärung, die ich mir in meinem Kopf geformt hatte.
Und warum Edward nicht wollte, dass unsere Freunde es wussten … davon hatte ich keine Ahnung. Warum hatte ich ihn das gestern nicht gefragt...?!
«Sie tut es schon wieder», hörte ich Jasper murmeln und er fummelte irgendwie mit seiner Hand in der Kniekehle von Alice herum.
«Ja … Bells, was ist das für ein neuer Gesichtsausdruck? Den kennen wir ja gar nicht von dir», kam es dann wieder von Alice.
«Ja, sieht irgendwie wütend, verträumt und gleichzeitig … undefinierbar aus. Himmel, Mädchen, was ist los?!», hakte Emmett neben mir nach und ich stöhnte genervt, ehe ich mir den Bleistift hinter das Ohr klemmte und mich erhob.
«Du weißt, du kannst uns alles sagen, richtig? Egal was für Geheimnisse du hast, Hübsche, wir behalten das für uns.» Rosalie blickte mich ernst an und ich sah mit erhobener Braue durch die Reihe.
Nacheinander begutachtete ich die Gesichter meiner Freunde. Sie würden alles für sich behalten? Nun ja... das konnte ich bestimmt glauben, aber dass hier niemand Geheimnisse vor dem anderen hatte? Eine glatte Lüge.
«Ach ja?», verschränkte ich die Arme vor der Brust, sodass der Block – Edwards Gesicht – gegen meinen Oberkörper gedrückt war. Ich funkelte alle aus meinen braunen Augen heraus an. Sie hatten mir nichts getan, aber dass sie mir hier unterstellten, es wäre etwas mit mir – womit sie ja Recht hatten- und ich würde es nicht verraten – auch damit hatten sie Recht- machte mich irgendwie sauer. Mein Temperament fing zu sieden an und ich wusste nur zu gut, dass es gleich kochen würde. «Wir erzählen uns also alles untereinander ja...?!», fing ich an und einige der Anwesenden zuckten zusammen.
Auch meine zweite Braue hob sich nun und ich setzte einen skeptischen Blick auf. Ich wusste genau, dass das nicht so war. Sehr genau.
«Ja!», erwiderte Jasper für alle mit einem heftigen Nicken.
«So, so», murmelte ich und lief im Wohnzimmer auf und ab. Gespielt nachdenklich tippte ich mir mit dem Zeigefinger gegen die zusammengepressten Lippen.
«Okay. Wenn wir alle keine Geheimnisse voreinander haben, dann frag ich mich Jasper -», fing ich an und blickte Angesprochenem fest in die Augen. «Weiß Alice, dass du vor drei Wochen gar nicht arbeiten MUSSTEST, sondern es freiwillig getan hast, weil du … wie nanntest du es? Abstand gebraucht hast, huh?»
Okay, ich war wirklich nicht so. Und es tat mir leid, dass ich hier irgendwie gerade wohl meinen Mitbewohner verraten hatte oder ihm in den Rücken gefallen war. Aber ich hatte immer Menschen um mich rum, die mich voll säuselten, dass absolute Ehrlichkeit das wichtigste war. Leider machte man oft die Erfahrung, dass das nur leere Worte und nichts anderes waren.
Tja, ich platzte wohl irgendwie gerade. Aber mein Gott, dann sollten sie alle nicht behaupten, dass wir ehrlich zueinander wären.
So gut wir auch befreundet waren, jeder behielt einige Dinge für sich, was vollkommen okay war. Aber wie stand es schon in der Bibel ? Der, der ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.
«Du hast was?! Abstand?», fragte Alice schockiert und ihr Kopf war in Jaspers Richtung geruckt.
«Wow, Jazz, das ist echt hart, Mann», murmelte Emmett und fuhr sich durch sein Haar.
«Ach komm», rollte ich die Augen «Emmett, tu nicht so, als hättest du das nicht gewusst», keifte ich ihn an.
«Du hast es gewusst und hast Alice nichts erzählst?!», warf Rose ihm wütend entgegen.
«Und du Rose. Weiß Emmett,dass du das Geld, was du jeden Monat mit ihm sparen wolltest, für eure gemeinsame Europareise nächstes Jahr, gar nicht GANZ sparst sondern immer mal ein paar Scheinchen für deine Maniküre rausnimmst, mhmm?», zog ich eine Braue in die Höhe.
… und dann brach das Chaos aus.
Jeder diskutierte mit jedem und ich konnte bloß den Kopf schütteln, während ich den Raum verließ.
Wie gesagt, so sehr ich sie auch liebte – alle – sie sollten nicht behaupten, dass wir alle ehrlich zueinander wären. Denn das stimmte nicht. Absolut nicht.
*
Ich lag die ganze Nacht wach und hörte zu, wie einer nach dem anderen verschwand.
Heute Nacht war es ganz ruhig hier. Von über mir hörte ich kein Rumpeln, kein Stöhnen... nichts.
Jasper schnarchte im Nebenzimmer, was bedeutete, dass keine Alice da war. Sie stubste ihn nachts für gewöhnlich nämlich immer an, wenn er schnarchte.
Okay … ich sah es ein, es war einfach beschissen von mir gewesen, so zu reagieren, aber vielleicht war ich auch einfach nur zu … geladen im Moment. Wie ein Hurrikan, der wütet und überall nur Chaos hinterlässt.
Vielleicht … auch wenn es unglaublich bösartig klang, wollte ich einfach nicht die einzige sein, die sich SO fühlte.
Gott, ich gehörte in die Hölle. Ich benahm mich ja beinahe wieder wie in der High School. Fehlte nur noch, dass ich Teddybären mit Stiften im Hals an eine Wäscheleine hängte.
Ein lautes Rumpeln ließ mich zusammenfahren und ich sah auf meinen Wecker – 4:59 Uhr.
Das konnte nur Edward sein.
Ich hörte Schritte im Flur und ein erneutes Rumpeln, als wäre irgendwas gegen eine Wand gepoltert.
Angespannt hielt ich den Atem an. Was zum Teufel tat dieser Kerl da morgens – oder nachts – um 5 Uhr...?! vor allem, da wir gleich wieder aufstehen mussten.
Verdammt.
Ich setzte mich leicht auf, denn es war plötzlich ganz ruhig … ehe dann wieder etwas rumpelte und dann ein Giggeln ertönte, das definitiv NICHT von Edward stammte.
«Oh Baby du machst mich wahnsinnig», hörte ich die fremde Stimme säuseln.
Wieder ein Rumpeln und dann das Zufallen einer Türe … vermutlich SEINER Türe.
Laut die Luft ausstoßend, ließ ich mich zurückfallen.
Was zum Teufel?! Er hatte eine andere dabei. Und was mich noch wütender machte, war die Tatsache, dass Edward Cullen mich nicht mal in sein Zimmer SEHEN ließ, aber seine Tussis immer mit hinein nahm.
Das wusste ich, weil sie morgens aus seinem Zimmer spazierten, oder ich irgendwelche fremden Chucks oder High Heels im Flur fand – man durfte nicht mit Schuhen in sein Zimmer.
Ich schluckte hart, als ich das gewohnte «Mhmhh jaa...», durch die Wohnung hallen hörte.
Scheiße, wenn ich Jasper nicht so behandelt hätte, hätte ich möglicherweise bei IHM Zuflucht suchen können, aber so …
Bittere Enttäuschung und Wut auf mich selbst, fraßen sich durch meinen Körper, als ich in meinem Bett lag und zuhören musste, wie er die andere knallte.